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 Deutsch-Ungarische Korrespondenz, 3. Ausgabe 2000, Nr.8:




Herausgeber:
Deutsch-Ungarische Gesellschaft
in der Bundesrepublik Deutschland e.V., Sitz Stuttgart
Internet: http://www.gemeindetag-bw.de/dug/index.php
Geschäftsstelle:
Hauptstraße (Rathaus)
70839 Gerlingen
Telefon: 07156/205-325
Fax: 07156/205-345
Verantw. Redaktion: Jürgen Rahmig

3. Jahrgang/ 3. Ausgabe 2000/ Nr. 8

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Europa und der ungarische EU-Beitritt

Stuttgart/Budapest. Europäische Fragen in der Zusammenarbeit zwischen Ungarn und Baden-Württemberg sollen im Hinblick auf den angestrebten Beitritt Ungarns zur Europäischen Gemeinschaft künftig noch mehr ins Blickfeld genommen werden. Damit sollen die Beitrittsverhandlungen Ungarns mit der EU unterstützt werden. Das hat die Gemischte Kommission Baden-Württemberg/Ungarn auf ihrer 6. Sitzung im Mai 2000 beschlossen.

Zu den wichtigsten Kooperationsfeldern werden aber auch in Zukunft die Bereiche Hochschule, Wissenschaft und Forschung, Schule, Land- und Forstwirtschaft sowie die wirtschaftliche Zusammenarbeit gehören. Die Zusammenarbeit auf dem Gebiet Arbeit, Soziales und Gesundheit wird unter anderem um das Thema Kinder- und Jugendhilfe ergänzt.

Auch der fachliche Austausch und die Kooperation in den Bereichen Umwelt- und Denkmalschutz wird fortgesetzt. Besonderes Gewicht wird dem Zusammenwirken auf dem Gebiet der Inneren Sicherheit und der Kooperation in kommunalen Angelegenheiten beigemessen. Ein zentrales Element der Kooperation im Bereich von Kunst und Kultur wird die weitere Beteiligung an den Feiern Ungarn aus Anlass der 1000-Jahrfeier sein. Die Veranstaltungsreihe wird sich bis um Frühsommer 2001 fortsetzen.

Die Gemischte Kommission zeigte sich mit der Umsetzung des Programms 1998/99 überaus zufrieden. Eine Intensivierung konnte insbesondere durch die Planungen für die Veranstaltungen anlässlich des Ungarischen Millenniums erreicht werden. Zu den Schwerpunkten des Arbeitsprogramms 98/99 gehörten Maßnahmen in den Bereichen Schule und Kultur, die Förderung von Wissenschaft und Forschung im Rahmen von Hochschulpartnerschaften und anderen bilateralen und multilateralen Projekten, Praktikantenprogramme im Agrar- und Forstbereich sowie Maßnahmen zur Unterstützung beim Aufbau der Verwaltung. Die Förderung mittelständischer Unternehmen, die Organisation von Kooperationsbörsen und Messebeteiligungen standen ebenfalls im Vordergrund. Die Zusammenarbeit hat sich darüber hinaus auf die Bereiche Innere Sicherheit, Arbeit und Soziales, Informationstechnik, Umweltschutz und Verkehr, sowie Denkmalschutz erstreckt. Ein wesentliches Fundament des Miteinanders bildeten erneut die kommunalen Partnerschaften. Die Kooperation wurde verstärkt auf europäische Fragestellungen ausgerichtet.

Zu den Motoren der zweiseitigen Beziehungen gehörte erneut die Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg. Die Kommission dankte allen Stellen, die mit der Organisation der zahlreichen Projekte befasst waren und noch befasst sind, aber auch den vielen Bürgerinnen und Bürgern beider Länder, die die Kooperation mittragen und aktiv mitgestalten.

Zu den für die beiden kommenden Jahre beschlossenen Vorhaben gehört auch die Förderung der europäischen Zusammenarbeit im Rahmen des Internationalen Zentrums an der Universität Tübingen. Die Eötvös-Lorant-Universität in Budapest ist Gründungsmitglied dieses Zentrums an der Universität Tübingen. Weitere Kontakte bestehen zu den Universitäten Debrecen, Miskolc und Pécs. Vom 12. bis 15. Oktober 2000 wird in Budapest das binationale Symposium "100 Jahre BGB" stattfinden. Behandelt werden Themenblöcke wie Europa-recht, Reform der Lehre in der Rechtswissenschaft, Hochschulrecht, Geschichte und Einfluss des Bürgerlichen Gesetzbuches.

Die weiteren Vorbereitungen Ungarns zum EU-Beitritt sollen durch Informationsbesuche ungarischer Experten in Baden-Württemberg und baden-württembergischer Fachdelegationen in Ungarn begleitet werden. Baden-Württemberg bietet dabei gegebenenfalls seine Mitarbeit bei der Erstellung eines "Maßnahmen- und Entwicklungsplans" im Rahmen der EU an. Geplant sind Experten- und Informationsbesuche zu Themenbereichen wie Personalwesen und Personalentwicklung, "Humanressourcen" in der Agrarverwaltung, Agrarmarkt, Vermarktungsinstitutionen und anderes mehr.

Ein Augenmerk liegt wieder beim Bereich Arbeit, Soziales, Sozialordnung. Im vergangenen Jahr befanden sich zwei Delegationen aus Ungarn als Gäste des Stuttgarter Sozialministeriums in Baden-Württemberg. In der Folge des Besuchs von Vertretern des Budapester Ministeriums für Familie und Soziales, der Nationalen Kasse für Gesundheitsversicherung und des Verbandes für Homecare und Hospize wurde unter Federführung des ungarischen Gesundheitsministeriums ein theoretisches Modell der Hauspflege und ein erstes Modell der Pflegeversicherung für Ungarn entwickelt.

Die zweite Delegation befasste sich mit Familienpolitik sowie der Kinder- und Jugendhilfe. Als erste Reaktion der hier vermittelten Kontakte erhielten sowohl die damals besuchten Einrichtungen in Baden-Württemberg als auch das Sozialministerium eine Einladung zu einem Gegenbesuch in Ungarn, um die Fachgespräche unter Berücksichtigung der ungarischen Verhältnisse fortführen zu können. Der Gegenbesuch erfolgte im April 2000. Bei allen organisatorischen und finanziellen Schwierigkeiten der Sozial- und Wohlfahrtseinrichtungen zeichnen sich dank des Engagements der dortigen Mitarbeiter auch längerfristige Partnerschaften ab.

Die Kooperation im Bereich Soziales, Familie und Gesundheit soll vor allem in folgenden Punkten fortgeführt und intensiviert werden: Arbeitsmarkt, Finanzierung von Sozialleistungen, ganzheitliche Kinder- und Jugendhilfe, Pflege und Betreuung älterer Menschen, Pflegeversicherung, Gesundheitsförderung, Patientenrechte, Krankenhauswesen und -partnerschaften. Bei Letzterem geht es vor allem um die Vertiefung der Kooperation zwischen dem St.-Barbara-Krankenhaus Tatabánya und dem Ostalbklinikum Aalen.

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Das Magyar Millennium in Baden-Württemberg

Stuttgart/Budapest.Das Netz der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte zwischen Baden-Württemberg und Ungarn soll durch das vielfältige Programm der 1000-Jahrfeierlichkeiten Ungarns laut Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel noch enger geknüpft werden. Es umfasst ein reichhaltiges Angebot aus Musik, Tanz, Literatur, Ausstellungen und Filmen, wie die vergangenen Monate bereits gezeigt haben. Es gab eine Fülle von Veranstaltungen und es wird sich bis ins kommende Jahr hinein fortsetzen.

Schülerbegegnungen

Ein besonderes Augenmerk richten das Land Baden-Württemberg, Städte und Landkreise auf die Jugend als künftigen Träger der Freundschaft zwischen den Ländern. So haben beispielsweise 1999 über 3.500 ungarische Schülerinnen und Schüler Baden-Württemberg und annähernd die gleiche Zahl baden-württembergischer Schülerinnen und Schülern Ungarn besucht. Durch die Unterbringung in Familien können die Jugendlichen das tägliche Leben im jeweiligen Gastland kennenlernen.

Die Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes hat seit 1989 über 1.500 Projekte, vor allem des Schüler-, Jugend- und Studentenaustausches gefördert. Für viele Gemeinden und Städte sind die jährlichen Besuche der ungarischen Kinder und Jugendlichen und der Gegenbesuch in Ungarn zum festen 'Programmpunkt' in der Partnerschaft geworden.

Wie erfolgreich eine Partnerschaft zwischen zwei Schulen verlaufen kann, welche Hürden dabei aber auch zu überwinden sind, vermittelt Realschulrektor Gebhard Lammingers zusammengestelltes Kompendium "Lebendiger Schüleraustausch seit 1986" zwischen der Albertville-Realschule Winnenden und dem Kossuth-Gymnasium Budapest.


 
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Schülerwettbewerb

Der Schülerwettbewerb "Die Deutschen und ihre Nachbarn im Osten" wird jedes Jahr vom baden-württembergischen Innenministerium und Kultusministerium veranstaltet. Er wendet sich an Schülerinnen und Schüler der allgemeinbildenden und beruflichen Schulen.

Der Wettbewerb versteht sich gesamteuropäisch. Einerseits will er die baden-württembergischen Schülerinnen und Schüler an osteuropäische Länder und ihre Geschichte heranführen, zum anderen an die vielfältigen historischen und kulturellen Beziehungen und Verflechtungen zwischen Deutschen und ihren östlichen Nachbarn erinnern.

Seit 1997/98 wird der Wettbewerb jedes zweite Jahr grenzüberschreitend auch für ungarische Schülerinnen und Schüler ausgeschrieben. Beim ersten grenzüberschreitenden Schülerwettbewerb beteiligten sich 8.700 baden-württembergische und ungarische Schülerinnen und Schüler.

Auf diese Weise sollen das partnerschaftliche Kennenlernen gefördert und Vorurteile gegenüber anderen abgebaut werden.


 
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Sommerakademie

Im Rahmen des "Magyar Millennium 2000 in Baden-Württemberg" veranstaltete das Land in Zusammenarbeit mit den Gemeinden Altshausen, Bietigheim-Bissingen und Sindelfingen in der Zeit vom 27. Juli bis 6. August 2000 eine Sommerakademie für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren in Baden-Württemberg und Ungarn (siehe auch diese Ausgabe).

Staatsminister Dr. Christoph E. Palmer begrüßte die Jugendlichen in Stuttgart. Eine zweitägige Reise durch das Land vermittelte den ungarischen Jugendlichen einen Eindruck von Baden-Württemberg.

Vom 31. Juli bis zum 4. August 2000 hatten die Jugendlichen dann die Gelegenheit, bei den gastgebenden Städten Altshausen, Bietigheim-Bissingen und Sindelfingen in den verschiedensten Workshops - Kunst, Musik, Neue Medien, kommunale Jugendarbeit - 'ihr Werk' gemeinsam zu erarbeiten. Die Ergebnisse präsentierten sie jeweils in einer Abschlussveranstaltung einer breiten Öffentlichkeit.

Die Sommerakademie 2000 soll Gelegenheit geben, zusätzlich zu den vielfältigen, bereits bestehenden Austauschprogrammen zwischen baden-württembergischen und ungarischen Gemeinden und Schulen, ein weiteres Forum zu schaffen, das den Jugendlichen die Gelegenheit bietet, durch eine gemeinsame, projektbezogene Arbeit neue Kontakte und Freundschaften zu Gleichgesinnten zu knüpfen und somit das Netz der zahlreichen baden-württembergisch-ungarischen Beziehungen weiter zu verdichten.

Ungarische Rhapsodie und Europäischer Kultursommer 2000

Im Oktober 1999 begann die Stadt Fellbach in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Unteres Remstal ihre 'Ungarische Rhapsodie' zum Magyar Millennium. Eingestimmt mit Konzerten der Pécser Philharmoniker und der Ausstellung 'Zeitgenössische Kunst in Ungarn' hat das Konzert des Keller-Quartetts aus Budapest am 12. März 2000 ein weiteres Highlight geboten. Dieses Konzert verband die Feierlichkeiten zum 'Magyar Millennium 2000 in Baden-Württemberg' mit dem Bach-Jubiläum 2000.

Bereits jetzt darf man sich auf eine weitere mitreißende Veranstaltung der kulturell äußerst aktiven Stadt freuen: Im Sommer 2001 richtet Fellbach einen 'Europäischen Kultursommer' aus, der mit den Länderschwerpunkten Frankreich und Ungarn programmatisch eine Brücke zwischen Westen und Osten schlagen und verdeutlichen soll, dass der historisch-kulturelle Begriff von Europa die osteuropäischen Staaten selbstverständlich mit einschließt. Die Stadt Fellbach ist beiden Ländern durch Städtepartnerschaften traditionell verbunden.

Geplant ist ein buntes Feuerwerk vielfältiger Darbietungen, von Ballett und Theater über Klassik und Jazz, Klezmer und Kleinkunst, Straßentheater und Sommernachtskino bis hin zu spektakulären Hochseilakten und Aufführungen mit Bodenhaftung. Das Motto "Europa ist unterwegs" wird so in Kunst und Kultur, Wort und Bild, Klang und Bewegung beziehungsreich sinnlich zu erfahren sein.

Festival Ungarn

Vom 6. bis 21. Mai 2000 veranstaltete der TREFFPUNKT Rotebühlplatz gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern das 'Festival Ungarn'. An den unterschiedlichsten Veranstaltungsorten wurde ein breites Spektrum dessen präsentiert, was die ungarische Kunst und Kulturszene derzeit kennzeichnet.

Neben aktuellen Tendenzen in den Sparten Musik, Tanz, Theater, Film, Fotografie und Bildende Kunst wurden mit Bereichen wie Architektur, Design oder Hörfunk und Fernsehen interessante neue Aspekte aufgezeigt. Mehrere Ausstellungen und zahlreiche zeitgenössische Produktionen ermöglichten einen vielseitigen Blick auf die Kulturlandschaft Ungarns. Zusätzlich zu diesen Schwerpunkten wurden aber auch wirtschaftliche und sozial-politische Themen im Rahmen von Vorträgen aufgegriffen. Dieses Potpourri spannender Produktionen und Ausstellungen sollte ein Forum schaffen, das allen Interessierten die Gelegenheit bot, die Menschen und die Kultur Ungarns nicht nur als Betrachter, sondern auch aktiv in der Kommunikation und dem kulturellen Austausch kennenzulernen und damit die Tür für viele neue, anregende und interessante Begegnungen öffnen.

SWR-Donaureise

Der Südwestrundfunk (SWR) begleitete das Magyar Millennium 2000 im Land in allen Programmen in Hörfunk und Fernsehen. In einem eigenen Programmprojekt lud der SWR neun Tage lang zu einer Reise in Tönen und Bildern ein.

Diese SWR-Donaureise war ein Sendeprojekt, das drei Hörfunkprogramme des Südwestrundfunks, das SWR-Fernsehen und die Online-Dienste des Senders umfasste. Die Idee dahinter: In den verschiedenen Programmen und Sendereihen sollte deutlich gemacht werden, welch unterschiedliche Menschen und Regionen sich entlang des großen europäischen Stromes aufreihen, und welche Verbindungen es gibt. Es gab Musiksendungen, Diskussionen über Politik, Kultur und Ökologie und viele Live-Reportagen von Reportern, die neun Tage lang unterwegs waren zwischen Donaueschingen und dem Donaudelta.

Eurotreff-Musik 2000 in Walldürn

Der Schwerpunkt des Festivals "Eurotreff-Musik" vom 22. bis 24. September 2000 in der Stadt Walldürn war eine musikalische Reise durch Ungarn und andere europäische Länder. Die musikalische Bandbreite reichte dabei vom Sinfonieorchester bis zur Jazzband, von Blaskapellen und allen Gattungen von Chören bis hin zu verschiedenen Arten von Folklore-Ensembles.

Der Eurotreff-Musik hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1979 zu einem sehr attraktiven europäischen Jugendfestival entwickelt. Alljährlich wird dieses Festival in einer anderen Stadt Baden-Württembergs vom Landesmusikrat Baden-Württemberg zusammen mit der jeweiligen Stadt organisiert. Ziel des Eurotreff-Musik ist es, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit zur künstlerischen Selbstdarstellung und zur kulturellen Begegnung zu bieten.

Ungarische Operette auf Schloss Stetten

Die 9. Künzelsauer Burgfestspiele standen in diesem Jahr ganz im Zeichen deutsch-ungarischer Freundschaft. Die Stadt Künzelsau hat mit der ungarischen Stadt Marcali eine Städtepartnerschaft. Im Rahmen des ungarischen Millenniums in Baden-Württemberg wurde Emmerich Kálmáns Operette "Die Csárdásfürstin" bei den Burgfestspielen aufgeführt. Es handelte sich um eine klassische Inszenierung, die mit den vielen Evergreens, die "Die Csárdásfürstin" hervorgebracht hat, begeisterte. Mit dem Budapester Operettentheater unter der Leitung von Tibor Szolnoki (Operettenwelt Budapest) hatten rund 60 Musikerinnen und Musiker, Sängerinnen und Sänger den Burggraben mit Leben und Musik erfüllt.

Galakonzerte

Musik von Franz Lehár (1870-1948) und Emmerich Kálmán (1882 bis 1953), zwei aus Ungarn stammenden Großmeistern des "silbernen Zeitalters" der Operette, steht im Mittelpunkt der Galakonzerte der Stuttgarter Philharmoniker am 2. und 3. Dezember 2000 im Hegel-Saal der Stuttgarter Liederhalle.

"Zigeunerliebe", "Die lustige Witwe", "Land des Lächelns", "Die Csárdásfürstin", "Gräfin Mariza" - wer kennt nicht die bekannten Schlager und Ensemble-Stücke aus diesen Operetten von Lehár und Kálmán, die weit über den ungarisch-österreichischen Bereich hinaus Bühnenkarriere gemacht haben.

Die Stuttgarter Philharmoniker verbinden sich mit einem Ensemble des Budapester Operettentheaters, bestehend aus den Sängerinnen und Sängern Zsuzsa Kalocsai, Beatrix Teremi, József Jankovitz, József Boszó und Zoltán Benkózy unter der Leitung ihrer ersten Dirigentin Katalin Váradi. Gemeinsam wollen sie ungarisches Theatertemperament und beste Unterhaltungskunst auf die Stuttgarter Bühne bringen.

Internationales Donaufest

"Seht mich an, sagt die Donau, groß bin ich, schön und weise. Niemanden in Europa gibt es, der mir das Wasser reichen könnte... Ausstrecken möchte ich mich der Länge nach über eure Städte, lasst Euch nieder zu beiden Seiten meines Ufers, ich will eure Hauptstraße sein." (György Konrád: Donauanhörung - Rede zur Eröffnung des Internationalen Donaufestes Ulm/Neu-Ulm 1998).

Diese Worte widmete György Konrád dem ersten Internationalen Donaufest im Jahr 1998, - 'Neue Ufer' wurden entdeckt. Mit dem Partnerland Ungarn als Schwerpunkt lud das zweite Internationale Donaufest in Ulm/Neu-Ulm in diesem Jahr dazu ein, nach Belieben sowohl an den bereits bekannten, als auch an den noch unentdeckten Ufern der Donau zu verweilen, oder dem europäischsten aller Flüsse folgend, den durch den Strom verbundenen Menschen zu begegnen und im Dialog die vielfältigen und bunten Lebensarten, Kulturen und sozio-ökonomischen Verhältnisse der Donauländer kennenzulernen.

Die Donaureise führte sie unter anderem eben auch nach Ungarn, und bot so die Möglichkeit, zahlreichen ungarischen Künstlerinnen und Künstlern zu begegnen.

Donauschwäbisches Zentralmuseum in Ulm

Das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm ist am 8. Juli offiziell eröffnet worden. Er ist im so genannten Reduit in der Oberen Donaubastion untergebracht. Von Ulm aus wanderten im 18. und frühen 19. Jahrhundert Tausende von Familien auf der Donau in den 'Ulmer Schachteln' nach Osteuropa aus.

Das Museum zeigt auf insgesamt 2.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche die Geschichte der Auswanderer und ihr Leben in einer Vielvölker-Region. Es zeigt Flucht und Vertreibung am Ende des Zweiten Weltkrieges und die jüngste Vergangenheit der Donauschwaben in Südosteuropa, in Deutschland und in anderen Teilen der Welt. Eine wichtige Aufgabe wird darüber hinaus in der Darstellung der Gegenwart und der Entwicklung des Kulturaustauschs mit den Ländern gesehen, in denen es eine deutsche Minderheit gibt.

Die Kosten für den Aufbau und den Betrieb des Museums teilen sich die Stadt Ulm, das Land Baden-Württemberg und der Bund.

Ungarn auf den Karlsruher Buchwochen

Vom 10. November bis 3. Dezember 2000 findet die 18. Karlsruher Bücherschau statt. Mit dem Gastland Ungarn eröffnet sich eine interessante Möglichkeit, die gesamte Bandbreite der ungarischen Literatur zu erfahren. Der Verband der Verlage und Buchhandlungen in Baden-Württemberg e.V. und das Landesgewerbeamt Baden-Württemberg, Direktion Karlsruhe, werden Lesungen mit zahlreichen ungarischen Autoren organisieren. So werden sowohl die bekannten ungarischen Schriftsteller als auch eine Gruppe junger ungarischer Literaten lesen - moderiert von Zsuzsanna Ghase.

Rund 22.000 Bücher aus 300 Verlagen, davon etwa 7.500 Neuerscheinungen werden in Karlsruhe zu sehen sein, darunter jeweils etwa 500 ungarische Autoren in deutscher Übersetzung und Bücher über Ungarn. Zum Konzept der Bücherschau gehört außerdem, dass auch ungarische Verlage ihre Titelproduktionen zeigen. Etwa 120 Veranstaltungen - darunter am 12. November (20 Uhr) ein Abend der DUG mit Gedichten und Liedern von Petöfi im Karlsruher Buchcafe - werden das Rahmenprogramm der Bücherschau bilden. Mit dabei sein werden auch die Sani-Singers, eine ungarische A-Capella-Gruppe aus Györ. Ein ungarischer Abend und eine ungarische Weinprobe werden magyarisches Ambiente vermitteln.


 
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Tauziehen um Kampfflugzeuge

Budapest. Obwohl es bereits eine Absichtserklärung Ungarns gegenüber dem deutschen DASA-Konzern zur Modernisierung von 14 der 29 ungarischen MIG 29-Kampfflugzeuge gibt, scheint die ungarische Regierung über ein US-Angebot nachzudenken. Die USA wollen Ungarn gebrauchte F 16-Abfangjäger verkaufen. Bezahlt werden soll erst in einigen Jahren. Die USA sind gegen eine MIG-Modernisierung, weil diese aus russischer Produktion stammenden Flugzeuge auch nach ihrer Modernisierung nicht Nato-kompatibel seien. Dem spricht aber entgegen, dass es auch in Deutschland noch umgerüstete MIG 29-Flugzeuge aus ehemaligen DDR-Beständen gibt, die durchaus kompatibel sind, die sich bisher auch bewährt haben und die Deutschland Ungarn verkaufen würde.

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Neues "Deutsches Haus"

Budapest. Die Ungarndeutschen haben ein neues Domizil in Budapest. Im Juni 2000 ist das "Deutsche Haus" in der Lendvay utca 22 in der Nähe des Budapester Heldenplatzes in Anwesenheit des deutschen Botschafters Wilfried Gruber, des designierten ungarischen Botschafters in Berlin, Gergely Pröhle, und des Minderheiten-Beauftragten des ungarischen Parlaments, Professor Dr. Jenö Kaltenbach, feierlich übergeben worden. Die Gründerzeit-Villa soll eine Bereicherung des geistigen und kulturellen Lebens in der ungarischen Hauptstadt werden.

Der Vorsitzende der Landesselbstverwaltung, der Ungarndeutschen, Otto Heinek, dankte den deutschen Steuerzahlern und dem Bundesinnenministerium, die mit dem Kauf des Gebäudes und der vollständigen Renovierung des Hauses den Ungarndeutschen ein Schmuckkästchen geschenkt hätten. Die dreistöckige Villa hatte 50 Millionen Forint gekostet, die Renovierung noch einmal 300 Millionen Forint (zusammen etwa 2,5 Millionen Mark). Eine Stuttgarter Firma hat das Gebäude renoviert. In die Räume wird unter anderem auch die Redaktion des ungarndeutschen Blattes "Neue Zeitung" einziehen.

Jochen Welt, Aussiedlerbeauftragter der Bundesregierung, bezeichnete das Deutsche Haus als ein zukunftsweisendes Projekt, das auf historischer Substanz aufbaue und sich der Zukunft öffne. Die ungarische Justizministerin Dr. Ibolya Dávid erklärte, die Pflege der Minderheitenkulturen sei nicht internationale Pflicht, sondern auf lange Sicht eine nationale Aufgabe. Dávid ist als Justizministerin auch für Minderheitenfragen zuständig. Sie hob die langen deutsch-ungarischen Beziehungen hervor und vor allem die Bedeutung der zahlreichen Städtepartnerschaften.

npl


 
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Zweiter grenzüberschreitender Wettbewerb
ein voller Erfolg

Stuttgart. Über 6 100 Schülerinnen und Schüler aller Schularten in Baden-Württemberg und Ungarn haben sich beim oben bereits erwähnten grenzüberschreitenden Wettbewerb "Die Deutschen und ihre Nachbarn im Osten" in diesem Schuljahr beteiligt. Die Hauptpreisträger aus dem Südwesten stammen aus Esslingen, Nagold und Rottweil. Sie und die ungarischen Preisträger wurden von Innenminister Dr. Thomas Schäuble und dem Minister für Bildung der Republik Ungarn, Zoltán Pokorni, im ungarischen Parlament ausgezeichnet.

Baden-Württembergs Innenminister Dr. Thomas Schäuble hob bei der Auszeichnung der Preisträger am 3. Juli 2000 den Völker verbindenden Charakter des Wettbewerbs hervor: "Der Wettbewerb vermittelt Einblicke in die gesellschaftlichen und kulturellen Beziehungen beider Länder und informiert über die Landschaften und die Geschichte Ungarns und Baden-Württembergs."

Die engen und traditionell freundschaftlichen Beziehungen zwischen Baden-Württemberg und Ungarn würden durch die Partnerschaften von über 100 Gemeinden, acht Landkreisen und 130 Schulen unterstrichen. Schäuble lobte in diesem Zusammenhang die Arbeit der Donau-schwäbischen Kulturstiftung des Landes sowie die kommunalen Spitzenverbände in Baden-Württemberg und den Rat der kommunalen Verbände in Ungarn. Das Haus der Heimat, das den Schülerwettbewerb betreue, sei eine wichtige Kultureinrichtung mit Brückenfunktion zwischen den Ländern. Auch auf staatlicher Ebene sei die Zusammenarbeit zwischen Baden-Württemberg und Ungarn beispielhaft.

Die Hauptpreisträger aus Baden-Württemberg, die sich vom 2. bis 8. Juli in Ungarn aufhielten:
- Klasse 11b des Theodor-Heuss-Gymnasiums Esslingen;
- ein Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums Nagold;
- zwei Schüler und eine Schülerin des Albertus-Magnus-Gymnasiums Rottweil.

Eine fünftägige Studienreise nach Berlin und Brandenburg hat die Klasse Bk Ü 1a der Kaufmännischen Berufkreisschule Heilbronn gewonnen.

Eine eintägige Studienfahrt haben gewonnen:
- Klasse 10 der Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule Sägefeld Ulm-Wiblingen;
- Klasse 6b des St. Agnes-Mädchengymnasiums Stuttgart;
- Klasse 9c der Freien Katholischen Mädchenschule Bad Mergentheim;
- Klasse 8a der Adalbert-Stifter Realschule Schwäbisch Gmünd.

Geldpreise von 500, 300, 250 und 150 Mark gingen an folgende Schulklassen:
- Klasse 9b der Markgrafenschule Emmendingen;
- Klasse 2BFE 1.2 der Gewerblichen Schule Tübingen-Derendingen;
- Klasse 9 der Herzog-Philipp-Verbandsschule Altshausen;
- Klasse 11a des Gymnasiums bei St. Michael Schwäbisch Hall;
- Klasse 6b der Realschule Calmbach in Bad Wildbad.

Geldpreise von 300, 250, 200, 150 oder 100 Mark erhielten Schülerinnen/Schüler am Wilhelmi-Gymnasium Sinsheim, der Grund- und Hauptschule Bodelshausen, des Hohenstaufen-Gymnasiums Göppingen, des Melanchthon-Gymnasiums Bretter, des Gymnasiums Kenzingen, des Salvator-Kollegs Bad Wurzach und der Gustav-von-Schmoller-Schule Heilbronn.


 
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Ein Schloss als Musikinstrument

Schloss Kapfenburg. Schloss Kapfenburg wurde im Juli zum Musikinstrument. An dem musikalisch-experimentellen "Saitenklang-Workshop nahmen rund 80 ungarische und deutsche junge Künstler und Musiker teil - angeleitet von den beiden international renommierten Künstlern Renate Hoffleit und Michael Bach Bachtischa. Eine Woche lang arbeiteten sie intensiv zusammen, um die mit Saiteninstallationen und Resonatoren versehene Kapfenburg in besonderer Art und Weise zum Klingen zu bringen. Es gab zwei Saitenklang-Konzerte auf Schloss Kapfenburg. Außerdem hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit, bei Ausflügen die Region kennenzulernen. Das Projekt wurde durch die Donauschwäbische Kulturstiftung mit rund 1.000 Mark gefördert.

dug


 
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Europa und Ungarn

Sindelfingen. Ganz im Zeichen Ungarns standen die Europawochen im Mai in Sindelfingen, die in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft und dem Ungarischen Kulturinstitut in Stuttgart organisiert wurden. Auf dem Programm standen Kinowerke des wohl bekanntesten ungarischen Regisseurs, István Szabó. Startschuss der Europawochen war mit der Eröffnung der Ausstellung "Ungarn in Europa" der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft am 2. Mai 2000 im Foyer des Sindelfinger Rathauses. Dort ließ sich auch die Porzellanmalerin Erzsi Simon bei ihrer Arbeit über die Schulter sehen. Außerdem wurde eine Ausstellung des berühmten Porzellans aus Herend gezeigt. Weiter besuchten Jugendliche aus der Sindelfinger Partnerstadt Györ im Juli im Rahmen der Jugend-Sommerakademie einen Workshop zum Thema "Neue Medien", der vom Land Baden-Württemberg und von der Firma IBM unterstützt wurde.

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Schadenersatz-Forderungen

Budapest. Die ungarische Regierung verlangt vom australischen Besitzer des rumänischen Bergwerks für die Verschmutzung der Theiß Schadenersatz in Höhe von 29,4 Milliarden Forint ( rund 225 Millionen Mark). Das hatte der Regierungsbeauftragte für die Theiß-Sanierung, János Gönczy, im Juli in Budapest bekanntgegeben. Nach dem Bersten eines Klärbeckens des "Aurul"-Goldbergwerks bei Baia Mare in Nordwest-Rumänien waren Ende Januar rund 100 000 Kubikmeter zyanid- und schwermetallhaltiger Schlamm in einen Theiß-Zufluss geraten. Der Unfall hatte zum bisher schlimmsten Fischsterben in der gesamten Region geführt.

Die Giftlauge erreichte Ungarn über den Theiß-Nebenfluss Számos. Von dessen Einmündung bis zum Austritt der Theiß bei Szeged nach Jugoslawien starben praktisch alle Fische. Wie Gönczy erklärte, umfasst die Schadenersatzforderung sowohl die unmittelbar entstandenen Kosten für das Notfall-Management als auch die veranschlagten Sanierungsausgaben und den mittelbaren wirtschaftlichen Schaden. Adressat der Forderung ist der australische Bergbaukonzern Esmeralda Ltd. mit Sitz in Perth, der Mehrheitseigentümer des "Aurul"-Bergwerks ist.

dpa


 
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MOL-Chef zurückgetreten

Budapest. Der Generaldirektor des führenden ungarischen Mineralölkonzern MOL, János Csak, ist Ende Juni 2000 zurückgetreten. Der Grund für den Rücktritt: Die jüngste, vom Konzern als unzureichend empfundene Anhebung des Preises für Stadtgas sei "ein Signal, dass es der MOL und ihrem Generaldirektor nicht gelungen ist, die Regierung von den geschäftspolitischen Plänen des Unternehmens zu überzeugen", teilte Csak mit. Die rechtskonservative ungarische Regierung hatte am Vortag auf einer Sitzung beschlossen, den Preis für das weit verbreitete Stadtgas von Juli an um zwölf Prozent anzuheben.

Der Rücktritt löste an der Budapester Börse Turbulenzen aus. Nach Ansicht von Analysten droht dem Unternehmen wegen der Energiepreispolitik der Regierung in Budapest in diesem Jahr ein Bilanzverlust in Höhe von 110 Milliarden Forint (rund 850 Millionen Mark). Der Druck der Regierung auf MOL, die Benzinpreise niedrig zu halten, hatte zu Spannungen zwischen Regierung und Management geführt. Der Mineralölriese MOL, einst Staatsmonopolist, ist heute mehrheitlich im Besitz institutioneller Anleger. Der ungarische Staat besitzt einen 25-Prozent-Anteil und zugleich die Sperrminorität.

dpa


 
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Ungarn auf der Expo

Hannover. Ungarn präsientiert sich auf der Expo mit einem architektonisch anspruchsvollen und extravagenten Gebäude, das viel Lob geerntet hat. Es erinnert an eine riesige Blüte, die sich nach Westen öffnet - als Zeichen für die zunehmende West-Orientierung des Landes. Die deutsche Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer gar, die den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán Ende Juni bei seinem Besuch auf der Weltausstellung in Hannover über das Gelände begleitete, nannte den ungarischen Pavillon das Aushängeschild der Expo. Der Pavillon ist mit 4 000 Quadratmeter Lärchenholz verschalt. Darunter verbergen sich 280 Tonnen Stahlkonstruktion. Die zwanzig Meter hohen Wände bilden am Boden eine Ellipse von 30 mal 15 Metern, die sich nach oben hin auf 25 mal 40 Meter öffnet. Oben drüber spannt sich ein Segeltuch. Architekt ist György Vadász, der mit dem Pavillon Geborgenheit und Innigkeit symbolisieren möchte. In zwei Gängen im Innern dieser "Blüte" lädt Ungarn zu einem Rundgang durch die äußerst bewegte Geschichte des Landes ein und demonstriert, zu welch herausragenden Leistungen seine Erfinder, Denker und Entdecker fähig sind. Am Beginn des Rundganges steht eine Schauwand mit Zeichnungen aus Kinderhand. Ungarns Ministerpräsident Orbán nannte bei seinem Besuch der Expo-Ausstellung in Hannover die Bundesrepublik Deutschland als Vorbild für Ungarn und dafür, wie man mit Arbeit aus schwieriger Lage heraus den Aufstieg schaffe.

ve/jr


 
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Umweltschutzminister tritt ab

Budapest. Ungarns Umweltschutzminister Pál Pepo ist Anfang Juni zurückgetreten. Pepo gehört dem kleinen Koalitionspartner an, der agrar-populistischen Kleinlandwirte-Partei. Der Minister war seit dem Amtsantritt der rechts-konservativen Regierung von Viktor Orbán vor zwei Jahren als inkompetent kritisiert worden. Pepos Amtsführung wurde nicht nur vom Oppositionslager, sondern auch von unabhängigen Umweltschützern und Politikern des regierenden Bundes Junger Demokraten (Fidesz-MPP) kritisiert. Der Vorsitzende der Kleinlandwirte-Partei und Landwirtschaftsminister József Torgyan hatte ihn bislang gestützt. Zuletzt war Pepo ein mangelhaftes Management während der Umweltkatastrophe an der Theiß vorgeworfen worden.

dpa


 
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Telekom expandiert in Ungarn

Bonn. Die Deutsche Telekom übernimmt die Mehrheit an der größten ungarischen Telekommunikationsgesellschaft Matav. Um das Sagen bei dem osteuropäischen Anbieter zu bekommen, erwirbt der Bonner Konzern für 2,2 Milliarden US-Dollar (rund 4,5 Milliarden Mark) den 50-prozentigen Anteil des US-Telekommunikationskonzerns SBC an der bislang gemeinsamen Holdinggesellschaft MagyarComs. Die Deutsche Telekom kontrolliere damit in Zukunft alleine 59,53 Prozent der Anteile an Matav, berichtete das Unternehmen Anfang Juli.

Telekom-Chef Ron Sommer betonte, durch den Erwerb der Mehrheit an Matav positioniere sich die Deutsche Telekom hervorragend auf dem ungarischen Markt und baue konsequent ihre strategische Position in Mittel- und Osteuropa aus. Matav ist nach Angaben der Telekom Ungarns führende Telekommunikationsgesellschaft. Sie erzielte 1999 Umsatzerlöse von rund 1,5 Milliarden Euro (2,9 Milliarden Mark), was ein Plus von 14, 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet.

dpa


 
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Keine Alternative zur EU

München. Zur Mitgliedschaft Ungarns in der Europäischen Union gibt es keine Alternative. Ungarn sei in vielen Bereichen schon jetzt im Prinzip zum Beitritt bereit, doch lasse die Mitgliedschaft auf sich warten. Die Eurokraten in Brüssel sollten jetzt endlich den Beitritt Ungarns beschleunigen. Das ist das Fazit einer Tagung der Südosteuropa-Gesellschaft im Juni in München. Auf der hochkarätig besetzten Tagung zum Thema "Ungarn und Europa - Rückblick und Ausblick nach tausend Jahren" ging es um rechtsphilosophische und politisch-historische Aspekte des ungarischen Staatswesens während der vergangenen tausend Jahre und um seine europäischen Dimensionen, um eine aktuelle Analyse und die Ausrichtung der ungarischen Politik der vergangenen zehn Jahre auf den EU-Beitritt. Zu den Rednern der Münchner Tagung gehörten unter anderem Professor András Inotai vom Institut für Weltwirtschaft in Budapest, Professor János Zlinsky von der Péter-Pázmany-Universität Budapest, Edgar Hösch vom Südost-Institut in München und Professor Georg Brunner vom Institut für Ostrecht der Kölner Universität.

npl


 
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Kirchenfest in Szolnok

Szolnok/Reutlingen. Die evangelisch-lutherische Gemeinde in Szolnok, der Partnerstadt Reutlingens, feierte zusammen mit dem CVJM-Posaunenchor aus Reutlingen-Ohmenhausen zu Pfingsten den erfolgreichen Abschluss der umfangreichen Renovierung ihrer Kirche. Die evangelische Kirchengemeinde von Ohmenhausen hatte sich in ganz besonderer Weise um die Unterstützung der Kirchenrenovierung in Szolnok im Komitat Jász-Nagykun bemüht.

Vor drei Jahren hatte die kleine und wenig vermögende ungarische Kirchengemeinde einen Hilferuf nach Reutlingen gesandt, sie bei der Rettung der Kirche zu unterstützen. Das Gotteshaus befand sich in einem erbärmlichen Zustand. Vor allem das Dach war Leck und brüchig. Kurt Baermann, der damalige Bezirksbürgermeister in Ohmenhausen, zugleich Laienvorsitzender der Reutlinger Bezirkssynode, brachte mit Unterstützung des damals stell-vertretenden Kultursamtsleiters von Reutlingen, Eberhard Hörz, eine Spendensammlung auf den Weg. Damit konnte die Renovierung der Kirche starten. Die Spendenaktion war eine Art Initialzündung, denn sie veranlasste die Stadt Szolnok sowie das Evangelisch-Bischöfliche Amt in Budapest, ebenfalls zu helfen.

gea


 
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Großes Tanzfestival in Györ

Györ. Ein Tanzfestival der besonderen Art ist Ende Juni/Anfang Juli 2000 im ungarischen Györ veranstaltet worden. Es war bereits das zweite dieser Art nach 1998. Die Palette der Darbietungen bei diesem Ungarischen Tanzfestival 2000 reichte von Ballettaufführungen über Volkstanz und zeitgenössischen Tanz zu Darbietungen wie jene von György Szakály von der Ungarischen Staatsoper, der als Ballett-Tänzer und Schauspieler tanzte, rezitierte und spielte.

Mitwirkende waren das Ungarische Staatliche Volksensemble, das Györer Ballett, das Tanzensemble des Madách Theaters, das Yvette Bozsik Ensemble, Andrea Ladányi und die L.A. Dance Company, die Ungarische Staatsoper, das Budapest Tanzensemble, Tanztheater Mitteleuropa, Duna Ensemble, Budapest Tanztheater, Pécser Ballett, Artus-Ensemble, das Zeitgenössische Ballett Szeged, Ballettensemble des Csokonai Theaters und das Honvéd Tanztheater. Im Györer Volkstheater wurden preisgekrönte Fotos gezeigt, die sich mit Tanz beschäftigten.

mtf


 
 
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Jugend-Sommerakademie in Baden-Württemberg

Stuttgart. "Wir wollen Jugendlichen aus Ungarn und Baden-Württemberg Gelegenheit bieten, neue Kontakte zu knüpfen. Denn gerade der Jugend kommt beim Ausbau unserer bilateralen Beziehungen und auch im Blick auf die weitere europäische Integration eine zentrale Rolle zu." Dies sagte der Minister im baden-württembergischen Staatsministerium, Christoph Palmer, am 28. Juli im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart-Untertürkheim bei der Eröffnung der gemeinsamen Jugend-Sommerakademie Ungarns und Baden-Württembergs.

Vom 28. Juli bis 6. August 2000 kamen rund 150 Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren aus ganz Ungarn nach Baden-Württemberg, wo sie ein abwechslungsreiches Programm erwartete. Nach dem Auftakt in Stuttgart folgte eine zweitägige Besichtigungstour, die den jungen Leuten einen Eindruck von Land und Leuten vermitteln sollte und sie unter anderem ins Zeppelinmuseum nach Friedrichshafen, auf die Landesgartenschau in Singen und ins Donautal führte. Schließlich wurden die ungarischen Gäste bei Gastfamilien in den mitveranstaltenden Gemeinden Altshausen, Bietigheim-Bissingen und Sindelfingen unter-gebracht.

Im Mittelpunkt der gemeinsamen Aktivitäten standen insgesamt fünf Workshops zu verschiedenen Themenbereichen. In Bietigheim-Bissingen, wo über 100 junge Ungarn waren, ging es um Kunst, Musik und Tanz, in Althausen stand die kommunale Jugendarbeit auf dem Programm und in Sindelfingen waren es die neuen Medien. Die Ergebnisse wurden in einer Abschlussveranstaltung der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Jugendlichen waren äußerst zufrieden und viele wollen die Kontakte und Freundschaften, die sie während der Sommerakademie knüpfen konnten, vertiefen. Das betrifft deutsche Jugendliche ebenso wie ungarische Teilnehmer und die Gastfamilien. Und sie haben in den Workshops viel Neues gelernt, zum Beispiel wie ein Jugendhaus funktioniert. Maria Sonnevend aus Budakeszi beispielsweise hat sich nun vorgenommen, zuhause ein Jugendhaus zu gründen. Gábor Nagy aus Györ hat gelernt, dass "die Jugend auch etwas erreichen kann, wenn sie will". Zum Beispiel, "dass sie ein eigenes Jugendheim leiten kann". Etliche der Teilnehmer am Bläser-Workshop wiederum waren äußerst angetan davon, dass sie erstmals auch in einem richtigen Bläserorchester mitspielen konnten.

Für viele Teilnehmer war die Form des Workshops etwas Neues, das ihnen aber viel Spaß gemacht hat. Die Deutschen wurden als aufgeschlossen empfunden, als gastfreundlich, nett und geduldig, das Land Baden-Württemberg schilderten sie als modern, sauber und sehr schön. Ihren Nachfolgern für die Sommerakademie im kommenden Jahr empfehlen sie allerdings, auch Regenbekleidung mitzunehmen. Leider fielen große Teile des Programms in die verregnete Zeit im Juli und Anfang August.

"Die Jugend-Sommerakademie ist ein einzig-artiges Forum, um jungen Leuten beider Länder neue Freundschaften zu verschaffen", sagte Staatsminister Palmer weiter. Mit besonderer Freude sehe er das große Interesse der ungarischen Jugendlichen, so Palmer. Damit verbinde sich die Hoffnung, dass die engen Beziehungen, die Baden-Württemberg und Ungarn pflegen, auch von der Jugend in die Zukunft getragen werden.

Der Hauptgeschäftsführer der baden-württembergischen Gemeindetages und Vorsitzende der DUG, Christian O. Steger, sagte: "Die Vorbereitung unserer Jugend auf die weitere europäische Einigung kann nicht auf dem Papier geschehen, sondern muss erlebt werden. Die an der Sommerakademie beteiligten Städte leisten dazu einen besonderen Beitrag, der hohe Anerkennung verdient." Palmer, der Vor-sitzender der gemischten Regierungskommission Baden-Württemberg/Ungarn ist, verwies auf das erst im Mai 2000 in Stuttgart verabschiedete, erneut sehr umfangreiche Arbeitsprogramm.

jr/sta


 
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Projekt IKARUS

Stuttgart. Die Gemischte Kommission Baden-Württemberg Ungarn hat im Mai das Projekt IKARUS vereinbart. Dahinter verbirgt sich die Entwicklung einer Integrierten Konzeption zur Abwasserentsorgung und -reinigung Ungarns. Mit der Entwicklung von IKARUS soll die Kooperation zwischen Ungarn und Baden-Württemberg nun weiter entwickelt und konkretisiert werden, so verlautete aus dem Stuttgarter Ministerium für Umwelt und Verkehr. Damit soll Ungarn ein Instrument an die Hand gegeben werden, um Fehlinvestitionen zu vermeiden und mit sparsamem Mitteleinsatz einen effizienten Gewässerschutz zu erreichen. Außerdem können damit baden-württembergischen Ingenieurbüros und mittelständischen Anlagenherstellern bessere Wettbewerbschancen auf dem ungarischen Markt eröffnet werden.

Aufgrund der geschichtlichen Entwicklung, des Stadt-Land-Gefälles und der finanziellen Rahmenbedingungen ist die Situation der Abwasserentsorgung und -reinigung in Ungarn sehr heterogen. Im Hinblick auf die Vorhaben und Zielsetzungen der Richtlinie der Europäischen Union über die Behandlung von kommunalem Abwasser bestehen jetzt erhebliche Defizite. Der Ausbau der Abwasserentsorgung und -reinigung zur Umsetzung der europäischen Vorgaben wird in Ungarn in den kommenden Jahren erhebliche Investitionen erforderlich machen. So soll nun eine landesweite abwassertechnische Konzeption erarbeitet werden. Das Stuttgarter Ministerium wird bei der Durchführung der Projekte unterstützen.

Die künftige EU-Wasserrahmenrichtlinie fordert die Betrachtung ganzer Flusseinzugsgebiete und die Integration der Abwasserfragen bei der Ausarbeitung der auf das Einzugsgebiet bezogenen Bewirtschaftungspläne. Dies bedeutet, dass die vorgeschlagene Konzeption sich nicht nur auf die anlagentechnischen Anforderungen (Emissionsansatz) beschränken darf, sondern die Gesamtzusammenhänge (kombinierter Ansatz) berücksichtigen muss.

Nach einem bilateralen Workshop zum Thema soll dann die IKARUS-Konzeption im Rahmen eines zweiten Workshops festgelegt werden. Das soll dann in ein konkretes Bau- und Investitionsprogramm münden.

muv


 
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Lyriker György Petri gestorben

Budapest. Der ungarische Lyriker György Petri ist im Juli in Budapest nach langer und schwerer Krankheit gestorben. Petri war vor dem Zusammenbruch des Ostblocks der markanteste Dichter der ungarischen Dissidenten-Szene. Mit knapp gehaltenen Versen, die die Widersprüche des Systems schonungslos aufdeckten, trug er entscheidend zu einer modernen politischen Lyrik in Ungarn bei.

Petri studierte Philosophie und ungarische Literatur und arbeitete zunächst als Journalist. Seine ausdrucksstarken und Tabus verletzenden Gedichte konnten lediglich in Samisdat-Ausgaben und im Ausland zu erscheinen. Zwischen 1981 und 1989 redigierte er die Samisdat-Zeitschrift "Beszelö" ("Sprecher"). Nach dem Ende des Kommunismus erhielt er hohe Auszeichnungen. Sein Werk sei gekennzeichnet durch einen "ungemein natürlichen, der Alltagssprache angenäherten und dennoch unverkennbaren poetischen Duktus", schrieb die Budapester Tageszeitung "Népszabadság" in einem Nachruf.

Petris Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt, darunter ins Deutsche. Auf Deutsch erschienen unter anderem die Gedichtbände "Zur Hoffnung verkommen" (1986), "Schöner und unerbittlicher Mummenschanz" (1989) und "Vorbei das Abwägen, vorbei die Abstufungen" (1995).

dpa


 
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Ungarische Staatsbürgerschaft

Budapest. Über 6 000 Ausländer haben 1999 die ungarische Staatsbürgerschaft erhalten. In der Mehrzahl handelte es sich dabei um Angehörige der ethnischen ungarischen Minderheiten aus den Nachbarländern, wie die deutschsprachige Wochenzeitung "Der neue Pester Lloyd" vermeldet.

npl


 
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Ein mysteriöser Patient

Moskau. Seit 53 Jahren lebt der Ungar András Tamás in einer psychiatrischen Klinik in Russland. Er war völlig in Vergessenheit geraten. Die Akten über ihn besagen, dass er am 19. Februar 1947 in das Krankenhaus in Kotelnitsch zwischen Moskau und dem Ural eingeliefert wurde. Wahrscheinlich, so wird vermutet, war er im Zweiten Weltkrieg gefangengenommen worden. Nun will Tamás in seine Heimat zurückkehren, von der er nur noch blasse Vorstellungen hat, berichtet die AP-Korrespondentin Yekaterina Trunova. Ein ungarischer Arzt, so berichtet sie, habe ihn im Juli erstmals besucht und betreibt nun seine schnellstmögliche Rückkehr nach Ungarn.

Der heute 75-Jährige gehörte damals zu einer Gruppe Kriegsgefangener, die offenbar mit dem Zug aus dem Westen Russlands in ein Gefangenenlager nach Sibirien gebracht worden seien. Er habe an psychischen Problemen gelitten, so dass ihn die Wachmannschaft in Kotelnitsch in der Klinik zurückgelassen hatte. Nie wieder sei nach ihm gefragt worden, so die Ärzte. Er sprach kein Russisch und sein Ungarisch wurde als unverständliches Kauderwelsch abgetan. Russisch gelernt hat er nie. Heute kann er auch nicht mehr richtig Ungarisch. "Er hat sehr lange Zeit hier gelebt, doch alle seine Eindrücke und sein Wissen sind auf dem Stand der 40er Jahre zurückgeblieben" so Chefarzt Petuchow.

In den 60-er Jahren sei ihm wegen Durchblutungsstörungen ein Bein abgenommen worden. Er sei sehr krank und geistig verwirrt, so Arzt Imre Lászlocki von der ungarischen Botschaft in Moskau, die sich nun um seine Rückkehr in die Heimat bemüht. Seine Entdeckung hat Tamás einem aus Ungarn stammenden Polizeimajor, Karl Maravchuk, zu verdanken, der sich vor drei Jahren in Kotelnitsch niedergelassen hatte. Dort hatte er schließlich über Klinikchef Petruch von dem mysteriösen Patienten erfahren. Maravchuk ging in die Klinik und stellte fest, dass dieser Ungar sein musste. Daraufhin schickte das ungarische Außenministerium laut AP-Bericht den Direktor des ungarischen Institutes für Psychiatrie und Neurologie, Dr. András Veer, nach Kotelnitsch. Der sprach mit Tamás und fand heraus, dass dieser wohl an den Kämpfen am Don teilgenommen hatte.

ap


 
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Riester in Ungarn

Budapest. Deutschlands Bundesarbeitsminister Walter Riester hat Mitte Juni Ungarn besucht. Dabei sprach er mit Vertretern von Regierung, Gewerkschaften und Arbeitsgeberverbänden. Riester lobte die beachtlichen Anstrengungen, die Ungarn bei der Ausgestaltung des Arbeits- und Sozialrechts unternommen habe. Von den ungarischen Gesprächspartnern wurde auch die deutsche Initiative (Green Card) zur Beschäftigung von ausländischen Computer-Spezialisten angesprochen. Laut Riester biete die eher kurzfristig angelegte Anwerbung von Computer-Fachleuten auch aus den Ländern Mittel- und Osteuropas Vorteile. Diese würden vom Austausch hoch qualifizierter Arbeitskräfte und dem damit verbundenen Know-how-Transfer profitieren. Aus Ungarn haben sich bislang über 200 sogenannter IT-Spezialisten um Stellen in Deutschland beworben.

dpa


 
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Orbán: Autonomie für Vojvodina

Budapest. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat im Rundfunk für die zu Jugoslawien gehörende Provinz Vojvodina und die dort lebenden Ungarn die Autonomie gefordert. Der Weg zur Demokratie in Jugoslawien führe über die Dezentralisierung, sagte Orbán. Die ungarischen Parteien in der Vojvodina hatten 1999 mit Hilfe aus Ungarn ein Konzept für die Autonomie erarbeitet, die der serbische Präsident Milosevic ihr gleichzeitig mit der des Kosovo 1989 genommen hatte. Zugleich sollten die mehrheitlich von Ungarn bewohnten Gebiete eine eigene Selbstverwaltung erhalten. Die Ungarn in der Vojvodina setzen nach dem Wahlsieg der Opposition mit dem Präsidentschaftskandidaten Konstunica an der Spitze große Hoffnungen auf einen Wandel in Belgrad. Allerdings hat nur ein Teil der serbischen Opposition die ungarischen Vorschläge angenommen.

npl/jr


 
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Agrarhandel mit den Beitrittsländern

Budapest. Brüssel. Parallel zu den Beitrittsverhandlungen über den gemeinschaftlichen Besitzstand in der Argrarpolitik hat die Europäische Kommission mit den zehn Ländern Mittel- und Osteuropas (MOEL) Abkommen geschlossen und weitere Gespräche geführt, um den Agrarhandel mit der EU schrittweise zu liberalisieren. Dabei geht es darum, die negativen Auswirkungen einer zu plötzlichen Öffnung der Märkte zu vermeiden, so die EU-Generaldirektion Landwirtschaft. Denn mit dem Beitritt schließe sich jeder neue Mitgliedstaat dem einheitlichen europäischen Binnenmarkt an, in dem der freie Handel gewährleistet sein müsse.

Die Verhandlungen werden von der Kommission mit offenen Mandat, also ohne Ausschluss bestimmter Erzeugnisse nach dem Grundsatz geführt, dass die zusätzlichen gegenseitigen Handelszugeständnisse insgesamt ausgewogen sein müssen. Das Mandat ist gegenüber allen MOEL, also allen Staaten der ersten wie zweiten Welle der Beitrittsverhandlungen gleich, doch die Ergebnisse der Gespräche mit den einzelnen Ländern werden unterschiedlich ausfallen - je nach Grad der Marktöffnung, den sie für annehmbar halten.

In verschiedenen Sektoren, so bei Milch, Getreide oder Zucker, wird die weitere Handelsliberalisierung vor allem von den Fortschritten bei der Übernahme der Gemeinsamen Agrarpolitik durch die MOEL anhängen. Bisher sind die Unterschiede bei der Politik in diesen Bereichen noch zu groß, als dass eine völlige Liberalisierung des Handels möglich wäre, ohne die Anwendung der Gemeinsamen Agrarpolitik zu beeinträchtigen.
Identisch gegenüber allen MOE-Ländern werden drei Listen von Erzeugnissen zur Aushandlung bilateraler Zugeständnisse vorgeschlagen:

    - Liste 1: am wenigsten empfindliche Erzeugnisse (Erzeugnisse der MOEL, bei denen der Einfuhrzoll der EU unter zehn Prozent liegt, und Erzeugnisse, die in den MOEL nicht angebaut werden wie Zitrusfrüchte, Oliven usw.): hier völlige Liberalisierung des Handels.
    - Liste 2: Erzeugnisse mit "Doppelnull"-Option, das heißt gegenseitige Öffnung zollfreier Kontingente und Abschaffung der Exportsubventionen; die betreffenden Mengen sollen so weit wie möglich dem herkömmlichen Handelsvolumen aus einem Bezugszeitraum entsprechen.
    - Liste 3: Erzeugnisse mit fallweisen Handelszugeständnissen. Diese Liste ermöglicht einen mengenmäßigen Ausgleich für die Erzeugnisse der Liste 2, denn die beiderseitigen Ein- und Ausfuhren zwischen der EU und den verschiedenen MOEL sind bei den einzelnen Erzeugnissen nicht unbedingt gleich hoch.

Die Verhandlungen haben bisher zum Abschluss entsprechender Abkommen mit Ungarn, Estland, der Tschechischen und der Slowakischen Republik, Lettland sowie mit Slowenien, Bulgarien, Rumänien und Litauen geführt.

Mit Ausnahme von Estland sehen diese Abkommen die sofortige Liberalisierung bei den meisten nicht empfindlichen Erzeugnissen und die schrittweise Liberalisierung bei Geflügel, Schweinefleisch und Käse nach der Doppelnull-Option vor.

Die Kommission sieht das als ermutigende, aber insgesamt noch unzureichende Schritte an, die in nächster Zeit weiter verbessert werden müssen - jeweils auf der Grundlage ausgewogener gegenseitiger Zugeständnisse und unter Berücksichtigung der besonderen Situation jedes Landes und mit dem Ziel, dass die Erweiterung der EU-Rahmenbedingungen in den Ländern für wachsenden Wohlstand sorgt.

Komplizierter ist die Situation allerdings in Bezug auf Polen, heißt es, das seine Zölle für bestimmte Agrarerzeugnisse erhöht hat. Die Europäische Union hat vorgeschlagen, diese Erzeugnisse in die Verhandlungen aufzunehmen, zum Beispiel in Liste 2. Die Verhandlungen über die schrittweise Liberalisierung des Agrarhandels sollen auf dieser Grundlage fortgesetzt werden.

euagr


 
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Von der Fuchs-Brücke zum Morina-Pass

Von Jürgen Rahmig

Prizren/Orahovac. "Hallo, wie geht's" oder "Nato gutt" oder "Gutten Morgen" - die Kinder winken deutschen Soldaten und Journalisten allenthalben begeistert zu, nehmen sie gerne sogar an die Hand, um mit ihnen ein Stück zu gehen. Die Soldaten auf der so genannten "Fuchs"-Brücke in der malerischen Altstadt von Prizren im Kosovo, auf der ständig zwei deutsche Fuchs-Transportpanzer stehen, schütteln am Tag unzählige Kinderhände.

Generalmajor Fritz von Korff, Chef der Multinationalen Brigade Süd, also des deutschen Kfor-Sektors im Südwesten des Kosovo, nannte die Lage im Land "oberflächlich ruhig". Tatsächlich kann die scheinbare Idylle trügen. Es genügten schon kleine Anlässe, um die im Kosovo. Spannungen gefährlich hochzuschaukeln. Doch die deutschen Soldaten genießen viel Respekt. Allerdings sieht Korff bei den Soldaten auch eine andere Gefahr: die zunehmende Routine. "Sie darf nicht in Leichtfertigkeit oder Leichtsinnigkeit umschwappen. Das ist ein schmaler Grat."

Ins Auge fällt im Kosovo der viele Müll entlang der Straßen und in den Ortschaften. Müll wird einfach auf die Straße oder auf Acker und Wiese geworfen. Genauso geht es im dem vielen Schutt. Allenthalben liegen Autowracks herum, die bei weiten nicht alle als dem Krieg stammen. Die wenigen asphaltierten Straßen sind so mit Schlaglöchern übersät, dass der Verkehr oft nur im Schritt-Tempo vorwärts kommt.

Die Kfor (Kosovo-forces) im Bereich der Multinationalen Brigade Süd mit Sitz in Prizren, die UN-Zivilverwaltung im Kosovo (Unmik) und provisorische lokale Behörden hatten sich deswegen an einen Tisch gesetzt, um das unter den Nägeln brennende Problem des Mülls in den Griff zu bekommen. In Prizren hängen nun Plakate, die die Menschen zur Sauberkeit ermahnen und dazu aufrufen, Müll in Plastiksäcken zu sammeln und ihn dann abzugeben. Man arbeitet daran, eine Müllabfuhr zu organisieren, denn die Müllentsorgung kann ja nun wirklich nicht Aufgabe der Kfor sein.

Doch zu Beginn der Mission waren die Soldaten hier für alles zuständig. Sie mussten Polizist sein, Feuerwehrmann, Streitschlichter, waren für Verkehrsunfälle ebenso zuständig wie für Wasserrohrbrüche, für Massengrabfunde wie Verwaltung und Unterbringung von zurück-kehrenden Flüchtlingen, für die Entwaffung der UCK wie für Minensuche.

Viele Kräfte der deutschen Truppen bindet der Schutz von Serben, serbischen Häusern und orthodoxen Kirchen. Es ist schlimm, wenn man sieht, dass kulturelle Werte wie die Muttergotteskirche im Zentrum von Prizren, eine der ältesten serbisch-orthodoxen Kirchen auf dem Balkan, von Soldaten gesichert werden müssen. Gegenüber dem verschlossenen Haupteingang, der wie die gesamte Kirche von Stacheldraht umgeben ist, steht ein Schützenpanzer Marder, künstliche Hindernisse zwingen die vorüber-fahrenden Autos zur Langsamfahrt. Ohne Bewachung wäre die Kirche schon längst in die Luft gesprengt oder angesteckt worden, so wie es bereits mit ihren Nebengebäuden geschah.

In der Altstadt von Prizren steht die Bischofsresidenz mit serbisch-orthodoxer Kirche. Deutsche Fallschirmjäger, ausgerüstet unter anderem mit dem wendigen Klein-Panzer Wiesel, bewachen diese rund um die Uhr. Die dortige Klosterschule dient noch rund 50 Serben, darunter elf Kindern, als Zufluchtsort und Flüchtlingsheim. In der Klosterschule haben deutsche Soldaten für diese mitten in der belebten Altstadt völlig abgeschotteten Kinder erst kürzlich einen schönen Kinderspielplatz eingerichtet. Von hier aus geht es hinauf ins serbische Viertel der Stadt, wo die meisten Häuser ausgebrannt oder die Dächer weggesprengt sind. Zwei alte Frauen hocken in einer engen Gasse vor ihrem Haus und grüßen freundlich jeden vorüber-gehenden deutschen Soldaten. Sie sind zwei von elf Bewohnern, die das Viertel nicht verlassen wollen. Die patrouillierenden Soldaten sind ihre Beschützer. In der Nacht, so erzählen Soldaten, entwickelt sich rund um das Viertel gefährliche Aktivität. Immer wieder versuchen Kosovo-Albaner, in das Viertel einzudringen.

Wir gelangen zur Erlöserkirche halbhoch am Hang über der Stadt. Hier befindet sich ein deutscher Beobachtungsposten. Eine albanische Dolmetscherin kann es kaum fassen, dass auch dieses serbisch-othodoxe Gotteshaus, eine Sehenswürdigkeit der Stadt, nun scharf bewacht werden muss. Von hier aus geht es durch eine Stacheldrahtsperre hinauf zur Ruine der Festung Kaljaja, die Prizen überragt. Die Osmanen hatten sie nach der Eroberung der Stadt 1455 erbaut. In den verfallenen Kasematten haben sich jetzt Scharfschützen der Bundeswehr kärgliche Unterkünfte eingerichtet. Von der Spitze des Berges, der einen herrlichen Blick über die Stadt und das Umland gewährt, beobachten sie das Geschehen in Prizren.

Die Situation der im Kosovo verbliebenen Serben ist bedrückend. Sie kommen nur unter Bewachung aus ihren Häusern oder Ortsteilen heraus. Das Serben-Viertel in der Kleinstadt Orahovac ist mit Stacheldraht abgeschirmt, die Zugänge sind bewacht. Auch etwa 500 Roma leben dort. Zur Unterstützung der 300 deutschen Kfor-Soldaten steht auf der Anhöhe sogar ein schwerer Kampfpanzer vom Typ Leopard 2. Dennoch: Der Schutz der Serben kann nicht hundertprozentig gewährleistet werden. Das Schlimme an ihrer Situation ist, dass sie von den Albanern kollektiv für die Verbrechen der serbischen Milizen, Soldaten und Spezialpolizei verantwortlich gemacht werden, und gerade zu Beginn der Kfor-Mission war der Hass der Albaner auf sie unterschätzt worden.

Wer in Orahovac im Gespräch mit Albanern auf die Serbensiedlung zu sprechen kommt, muss in Kauf nehmen, dass sich der albanische Gesprächspartner urplötzlich abwendet und damit das Gespräch beendet. Dieses Viertel wie totgeschwiegen, sie wollen seine Existenz einfach verleugnen.

"Wir stehen zwischen den Linien. Wir müssen die Serben, um sie zu schützen, einzäunen und sie praktisch in Gefangenschaft halten", so Oberst Manfred Hofmeyer im deutschen Kfor-Hauptquartier in Prizren. Wann sich hier angesichts des Hasses unter den Erwachsenen ein selbst tragender Friedensprozess einstellt, ist seiner Ansicht nach noch völlig unklar.

Von einer Rückkehr zu einem normalen Leben kann hier noch lange keine Rede sein. Das sehen die Serben im Kosovo ebenso. Es werden von Woche zu Woche weniger. In einem Jahr, so schätzt der Oberst, werde es hier bei anhaltender Abwanderung wohl keine serbische Bevölkerung mehr geben.

Es gibt aber auch Lichtblicke. So könnten die Religionsgemeinschaften dazu beitragen, dass irgendwann einmal wieder ein Miteinander oder wenigstens ein friedliches Nebeneinander möglich wird. Im April hatten muslimische, katholische und serbisch-orthodoxe Kirchenführer einen Interreligiösen Rat gegründet und die Menschen im Kosovo zu friedlichem Dialog und Toleranz aufgerufen.

Mit anderen Problemen zu tun hat die deutsche Sicherungskompanie am Morina-Pass am kosovarisch-albanischen Grenzübergang. In der Mittagshitze steigen wir einen schmalen Pfad hinauf, der links und rechts durch Minenband markiert ist. Jenseits des Bandes im Buschwerk werden Minen vermutet. Hier und da liegen noch Ausrüstungsgegenstände oder Tarnkleidung serbischer Soldaten herum.

Auf der Anhöhe steht der "Adlerhorst", ein deutscher Posten. Mit einem Beobachtungsgerät suchen die Soldaten vor allem während der Nacht nach illegalen Grenzgängern und Schmugglern. "Nachts wird es hier richtig lebendig", so der junge Oberleutnant Andreas Lazarescu, der Chef dieser Sicherungskompanie. "Tagsüber sehen wir sie da oben manchmal Fußball spielen", sagt einer der Soldaten und zeigt auf eine Lichtung auf einem Berg jenseits der Grenze. Von hier oben aus lassen sich auch die Grenzstation Morina-Pass und die sich dort stauenden Fahrzeuge, das Lager der deutschen Kompanie und die umliegenden Berge beobachten. Praktisch jede Nacht müssen die Soldaten am "Adlerhorst" mit dem Maschinengewehr Warnschüsse abgeben, um Schmuggler zurückzutreiben. "Wir sind hier die Kompanie, die die meisten Schüsse im deutschen Kfor-Bereich abgibt", erzählt Lazarescu. Über 7 000 Schuss bisher. Die herumliegenden Hülsen unterstreichen das.

Lassen sich Schmuggler nicht abschrecken, versuchen sie diese entweder selbst zu fassen, oder sie benachrichtigen am Fuß der Berge postierte Greifertrupps der Kfor. Wenn sie selbst den Schmugglern nachsteigen, dann sind sie auf Pfaden unterwegs,, die von den Minenräumtrupps der Bundeswehr oder ihnen selbst gesäubert wurden, "aber hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht", schränkt Lazarescu ein. "Wer hier in völliger Dunkelheit entlang schleicht, der muss sich schon genau auskennen."

Neben der Grenzsicherung und der Abwehr von Schmugglern gehören auch Patrouillenfahrten nach Albanien hinein zu den Aufgaben der Sicherungskompanie. Diese grenzüberschreitenden Patrouillen sind vertraglich geregelt und führen die Soldaten bis nach Durres an der Adria.


 
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Präsident Ferenc Mádl - Ein Mann des Ausgleichs

Von Jürgen Rahmig

Budapest. Seit Juni hat Ungarn einen neuen Präsidenten: den parteilosen Ferenc Mádl. Er ist Nachfolger von Árpád Göncz, der nach zwei Wahlperioden nicht mehr kandidieren konnte. Mádl ist vom Budapester Parlament nach zwei Wahlgängen, in denen er nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit bekam, am nachfolgenden Tag mit einfacher Mehrheit gewählt worden.

Was war geschehen? Laut Koalitionsvertrag der Regierungskoalition hatte die Kleinlandwirte-Partei das Vorschlagsrecht für einen Präsidentschaftskandidaten, doch hatte die Fidesz als größter Koalitionspartner sich ein Vetorecht einräumen lassen. Zunächst hatte sich der populistische Chef der Kleinlandwirte-Partei, József Torgyán, auf einem Parteitag zum Präsidentschaftskandidaten küren lassen, dann aber wieder zurückgezogen, wohl wissend, dass er chancenlos gewesen wäre. Nicht nur der Koalitionspartner Ungarisches Demokratisches Forum blockierte die Torgyan-Kandidatur. Er schlug statt dessen den honorigen Ferenc Mádl vor, der auch Wunschkandidat von Ministerpräsident Viktor Orbán war. Alles schien klar, nachdem auch die Sozialisten als stärkste Oppositionspartei und die SZDSZ ihre Zustimmung zu Mádl signalisierten. Einzig die rechtsextreme Gerechtigkeits- und Lebenspartei MIÉP erklärte, gegen Mádl stimmen zu wollen.

Umso überraschender war dann, dass Mádl erst im dritten Wahlgang und nur mit einfacher Mehrheit gewählt werden konnte. Das hat vermutlich weniger mit der Person Mádls zu tun - die Opposition hatte sogar auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichtet - als mit den schwelenden und immer wieder aus-brechenden Streitigkeiten innerhalb der Regierungskoalition, in der Opposition und zwischen Regierungskoalition und Opposition. Vermutlich war es dann doch das oppositionelle Lager, das hier der Regierung einen Denkzettel auf Kosten Mádls und des Ansehens des Hauses verpassen wollte, sich damit aber ebenso schadete.

Zur Person von Mádl: Der am 29. Januar 1931 in Bánd in Westungarn geborene ungarn-deutsche Ferenc Mádl ist Professor für Staatsrecht und Internationales Recht. Mádl war nach Abschluss seines Studiums an der Budapester Eötvös-Universität im Jahr 1955 zunächst einmal Gerichtsreferendar. Danach studierte er in den 60-er Jahren in Straßburg weiter und forschte außerdem an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Von 1973 an lehrte er als Professor für Zivilrecht an der Eötvös-Universität, von 1985 an war er Lehrstuhlinhaber für Internationales Zivilrecht.

Als Parteiloser bringt der spätberufene Politiker eigentlich beste Voraussetzungen für das überwiegend mit repräsentativen Aufgaben behaftete Amt des Präsidenten mit. Der als sehr seriös geltende Mádl soll als Präsident alle Ungarn repräsentieren und ausgleichend zwischen den Parteien wirken. Obwohl parteilos, ist Mádl eindeutig ein Konservativer.

Doch in den vergangenen zehn Jahren hat er gezeigt, dass er über den Dingen stehen kann, dass parteipolitische Streitigkeiten nicht sein Ding sind. Folgerichtig hat er sich aus den Schlammschlachten der vergangenen Jahre auch herausgehalten. Er ist ein Mann des Ausgleichs, einer der vermitteln und Brücken zwischen den Lagern bauen kann.

Der inzwischen verstorbene erste ungarische Ministerpräsident nach der Wende, der konservative Politiker József Antall, hatte Mádl 1990 zum Chef der staatlichen Vermögensagentur gemacht. Gleichzeitig beaufsichtigte Mádl das Bankenwesen, das sich im Umbruch befand. Von 1993 bis 1994 war Mádl dann Kultusminister. Er war es schließlich auch, der den Freundschaftsvertrag mit der Bundesrepublik Deutschland unterschrieben hatte. Ferenc Mádl war schließlich schon 1995 - wenn auch als von vornherein chancenloser - Kandidat um die Präsidentschaft gegen Árpád Göncz angetreten.


 
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LEG fördert Ausbildung ungarischer Juristen

Stuttgart/Szeged. Die Landesentwicklungsgesellschaft Baden-Württemberg (LEG) fördert die Ausbildung von ungarischen Juristen mit Kenntnissen im deutschen Recht. Für zunächst zwei Jahre unterstützt die LEG Baden-Württemberg den Studiengang Deutsches Wirtschaftsrecht an der József Attila-Universität Szeged mit jeweils 10 000 Mark pro Jahr.

"Ungarns Bedeutung als Handelspartner für Deutschland wird weiter wachsen", sagte Dr. Hans-Joachim Kay, der Vorsitzende der Geschäftsführung der LEG bei der Diplomfeier des ersten Studienganges am 20. Mai in Szeged. "Die Ausbildung von sprachkundigen Spezialisten für deutsches Recht ist diesbezüglich eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft, zu der wir gern einen Beitrag leisten."

Die Förderung kam auf Vermittlung des Gemeindetages Baden-Württemberg und der Donauschwäbischen Kulturstiftung zustande. DUG-Vorsitzender Dr. Christian O. Steger hat eine Gast-Professur in Szeged. Im Studienjahr 1998/99 wurde der deutschsprachige Studiengang Deutsches Wirtschaftsrecht eingeführt, den derzeit rund 60 Studierende belegt haben.

Trotz staatlicher Unterstützung und trotz der Erhebung von Studiengebühren klaffte für die Jahre 2000 und 2001 eine Finanzierungslücke von jeweils 10 000 Mark, die nun von der LEG Baden-Württemberg geschlossen wurde. "Diese Förderung ist für uns eine willkommene Gelegenheit, unsere vielfältigen und guten Beziehungen in Szeged auszubauen", betonte Dr. Kay.

Die Unterstützung von Lehre und Forschung hat Tradition bei der LEG. Das Unternehmen hat in Baden-Württemberg sechs Förderpreise mit einer Gesamtsumme von mehr als 35 000 Mark pro Jahr gestiftet.

Die LEG baut derzeit in Szeged als Investor ein Einzelhandelsgebäude für die Elektrofachmarkt-Kette Media-Markt. Darüber hinaus berät die LEG die ungarische Stadt im Bereich der Verkehrsinfrastruktur, in Umweltfragen und in Bezug auf Fördermöglichkeiten durch EU-Programme. Über eine Reihe von gemeinsamen Projekten wie den Ausbau des Flughafens sowie den Bau eines Logistikzentrums und eines Innovations- und Technologieparks wird bereits verhandelt. "Die LEG ist ein wichtiger Partner für die weitere Entwicklung von Szeged", sagte der Direktor des Büros für strategische Planung der Stadt Szeged, Dr. György Mészáros, bei einem Gespräch Anfang Mai. Auch über Universitätsbauten wurde bereits gesprochen. "Die LEG hat die Infrastruktur der Hochschulen in Baden-Württemberg mitgeprägt, so Dr. Kay. "Wir würden uns freuen, wenn wir unsere Erfahrungen auch in Szeged einbringen könnten."

Der Studiengang Deutsches Wirtschaftsrecht an der Universität von Szeged wird durch das Institut für Europarecht angeboten und steht allen ungarischen und ausländischen Studenten offen. Dabei handelt es sich um ein Zusatzstudium, das vier Semester umfasst und in deutscher Sprache veranstaltet wird.

Im Rahmen des Programms werden folgende Lehrveranstaltungen durchgeführt: Grundlehren des Bürgerlichen Rechts, Handels- und Gesellschaftsrecht, Zwangsvollstreckungs- und Insolvenzrecht/Recht der Kreditsicherheiten, Deutsches und Europäisches Wettbewerbsrecht, Verfahrens- und Kollisionsrecht, Deutsches und Europäisches Arbeitsrecht.

Am Ende jeder Lehrveranstaltung findet eine schriftliche Prüfung statt. Die erfolgreiche Teilnahme am gesamten Studiengang "Deutsches Wirtschaftsrecht" wird durch ein zweisprachiges Diplom bestätigt.

An der Szegeder Universität hält der Vor-sitzende der Deutsch-Ungarische Gesellschaft als Gastdozent eine Vorlesung zum Selbst-verwaltungsrecht, die die Stellung der Gemeinden im demokratischen Staat und ihr Verhältnis zu diesem sowie die Kommunalpolitik und Selbstverwaltung auch in der Europäischen Union umfasst.


 
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Goldene Jahrhundertwende

Ulm. Malerei von 1890 bis 1914 zeigte das Ulmer Museum in Zusammenarbeit mit der Ungarischen Nationalgalerie Budapest zum Internationalen Donaufest Ulm/Neu-Ulm. Die Ausstellung vom 9. Juli bis 3. September 2000 präsentierte einen künstlerischen Höhepunkt in der Geschichte der ungarischen Malerei. Eine Auswahl der Bilder, die Ungarn zu der Pariser Weltausstellung 1900 schickte, gab einen Einblick in die verschiedenen Kunstrichtungen, die die letzten zehn Jahre vor der Jahrhundertwende bestimmten. Neben Gemälden, die vom Münchner Realismus und der Plenair Bewegung geprägt sind, etwa von Simon Hollósy, stehen eigenständige Varianten von Jugendstil und Symbolismus, zum Beispiel von László Hegedüs. Heute international berühmte Maler wie József Rippl-Rónai und Károly Ferenczy vermitteln in besonderer atmosphärischer Dichte das Spezifische der ungarischer Landschaft und ungarischen Lebens der Zeit.

Der zweite Teil der Ausstellung war der Periode bis zum Ersten Weltkrieg gewidmet. In immer mehr Gruppierungen finden sich neben Künstlern des Postimpressionismus Maler der unterschiedlichen Avantgarden. Bestimmend sind repräsentative Werke des so genannten Neos, die ihre Laufbahn in Nagybánya begannen und die später dem Stil des Fauvismus folgten, sowie die Bahn brechende Gruppe MIÉNK, das heißt der Kreis der Ungarischen Impressionisten und Naturalisten. Dazu kommen die mit einem Avantgarde-Programm auftretenden "Acht", Nyolcak, und die Maler des Künstlerhauses, Müvészház, das neben den Werken der anderswo abgewiesenen jungen, progressiven Künstler auch inter- nationale Bestrebungen präsentierte. Die über 50 Gemälde von 26 Künstlern, die in Ulm anlässlich des Millenniums gezeigt wurden, darunter von Pál Szinyei Merse und József Koszta, von József Nemes Lampérth, Róbert Berény, Károly Kernstok, Lajos Tihanyi und János Vaszary, sind Hauptwerke der Ungarischen Nationalgalerie in Budapest.


 
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Was wurde in Schloss Gymnich besprochen?

Vortrag des Historikers László Varga im Ungarischen Kulturinstitut in Stuttgart

In dieser Ausgabe der DUG-Korrespondenz drucken wir den letzten Teil jenes Vortrags über die Entscheidung Ungarns zur Grenzöffnung ab, den der ungarische Historiker László Varga auf einer Veranstaltung der DUG im Oktober 1999 zur Vorstellung des DUG-Buches von Jürgen Rahmig "Ungarns Rückkehr nach Europa" gehalten hatte:

Auch im weiterem Verlauf der Ereignisse zeigen sich Widersprüche in den Erinnerungen von Horn und Sudhoff. Horn meint, er hätte Sudhoff am 16. August zu einem erneuten Besuch nach Budapest eingeladen, und dieser kam schon am nächsten Tag wirklich an. Der deutsche Staatssekretär ist der Meinung, er hätte am 15. August auch seinen zweiten Besuch veranlasst, auch über den Inhalt berichten sie grundlegend unterschiedlich. Sudhoff berichtet darüber, wie er in einer sehr freundlichen Weise nochmals Druck auszuüben versuchte und die Ungarn zu einer Entscheidung drängte. Er zitiert seine Worte aus der Aktennotiz: "Sagen Sie Ihren Leuten: Lasst die Menschen ziehen! Macht die Augen zu und die Tore auf!" Horn aber berichtet darüber, wie er dem Staatssekretär die konkreten Maßnahmen für den Abtransport der Flüchtlinge aus der Botschaft geschildert hat. An den nächsten Moment des Gesprächs erinnern sich die beiden Politiker dann in gleicher Weise: Außenminister Horn hätte seine Leute und die Begleitung des Staatssekretärs aus dem Zimmer geschickt und nachdem sie zu Zweit blieben, hätte sich der Außenminister englisch an seinen Kollegen gewendet. "Er stand auf, zog mich am Arm zum Fenster, dass auf die Donau hinausging, öffnete das Fenster und sprach auf Englisch durch das geöffnete Fenster hinaus - vielleicht weil er der Vertraulichkeit des eigenen Dienstzimmers nicht traute: Fahren Sie nach Hause und sagen Sie dort, die ungarische Regierung wird einen Weg finden, um den Menschen zu helfen."
Die Szene am Fenster - abgesehen davon, dass der Kai vom Verkehr immer furchtbar laut ist - kann nur eine Legende sein. Horn brauchte vor seinem Staatssicherheitsdienst keine Angst zu haben, nie hätten sie gewagt, ihn abzuhören und sie haben dafür gesorgt, dass auch kein anderer Dienst das macht. Was Sudhoff am Fenster hörte, war in Budapest kein Geheimnis mehr, stand sogar in der Presse. Horn schreibt auch nicht vom offenen Fenster, er behauptet, dem Staatssekretär mitgeteilt zu haben, dass er mit dem Ministerpräsidenten beim Bundeskanzler und dem deutschen Außenminister in Kürze einen geheimen Besuch abstatten möchte. Sudhoff wäre ganz begeistert gewesen, und am nächsten Tag kam schon die Bestätigung aus Bonn.

Tatsache ist, dass am 24. August das Auswärtige Amt in Bonn bekannt gab, in der Nacht hätten mehr als 100 Bürger der DDR aus der Botschaft der BRD in Budapest mit Genehmigung der ungarischen Behörden Ungarn verlassen. Sie wurden in der Nacht, von Vertretern des Ungarischen Roten Kreuzes begleitet, mit Bussen zum Flughafen gebracht, von Wien fuhren sie wieder mit drei Bussen Richtung Passau. Der ungarische Außenminister behauptete noch am selben Tag bei einer internationalen Pressekonferenz, in Ungarn würden sich 200 000 Bürger der DDR aufhalten, von denen 20 000 nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren wollten.

Während Sudhoff zweimal nach Budapest flog, hielt sich Helmut Kohl auf Urlaub - bis zum 21. August - in St. Gilgen auf; vielleicht ist das der Grund, dass er von der Fensterszene nicht unterrichtet wurde. Er erfuhr diese leichte Zusage direkt vom Ministerpräsidenten: "Kurz zuvor - das heißt vor seiner Abreise -, noch in St. Gilgen, hatte mich der ungarische Ministerpräsident Mik1ós Németh angerufen. Zu meiner Erleichterung hatte er mitgeteilt, er bemühe sich darum, keinen Deutschen gegen seinen Willen in die DDR zurückschicken zu müssen. Dies ließ auf eine baldige Ausreise unserer Landsleute in die Freiheit hoffen, wenngleich Zweifel blieben, denn Ungarn gehörte nach wie vor dem Warschauer Pakt an."

So oder so, die Unterredung am Fenster oder/und am Telefon zeugte von einer Wende in der Behandlung der Flüchtlingsfrage, denn etwa bis zu diesem Punkt war die ungarische Regierung der Ansicht, die Frage der Flüchtlinge sei eine deutsch-deutsche Angelegenheit, bei der Ungarn eine humanitäre Lösung anstrebt. Die Verhandlungen mit Bonn und Berlin brachten kein greifbares Ergebnis, die DDR reagierte immer heftiger, versprach Straffreiheit für ihre Bürger, aber in Budapest schenkte man diesem Versprechen keinen Glauben.

Sowohl Horn als auch sein damaliger Botschafter in Bonn Horváth berichten darüber, dass sie auch dem Druck der sich formierenden Opposition in Budapest ausgesetzt waren. Horn erwähnt, sie forderten die Bürger der DDR in Ungarn als Flüchtlinge, also im Sinne der UN-Flüchtlingskonvention zu behandeln. Horváth erinnert sich neben diesem Vorschlag auch an die Forderung, die Bürger der DDR unter der Fahne des Roten Kreuzes per Zug nach Österreich zu transportieren. Sie hielten diese Vorschläge für absurd oder unausführbar, wobei Sudhoff die selben Lösungen Horn empfohlen hat. Horváth behauptet zugleich, schon Anfang August hätte das Kabinett, das heißt das Spitzengremium der Regierung beschlossen, die Flüchtlinge nicht an die DDR auszuliefern und der Ministerpräsident hätte in dieser Sitzung den Außenminister beauftragt, die Möglichkeit der Grenzöffnung auszuarbeiten. Er berichtet auch darüber, dass Horn kurz darauf den Beschluss offiziell den sowjetischen Gesandten mitteilte. Vladimir Puntus erwiderte kurz: "Sie müssen wissen, was Sie tun."

Horváth beschreibt, er wäre es gewesen, den der Ministerpräsident am 23. August beauftragte, den geheimen Besuch in Bonn vorzubereiten. Das widerlegt natürlich nicht die Behauptung von Horn, nach der er diesen Plan schon eine Woche früher bei Sudhoff erwähnte. So flogen am 25. August heimlich der ungarische Ministerpräsident, der Außenminister und der Botschafter in die Bundesrepublik. Sie wurden auf Schloss Gymnich von Bundeskanzler Kohl und Außenminister Genscher empfangen. Die Verhandlungen dauerten von 10.30 bis 13 Uhr, und wurden dann am Mittagstisch fortgesetzt. Hier werden die Quellen unsicher. In der Aufzeichnung von Genscher steht kein Wort über die Flüchtlingsfrage, in dem offiziellen ungarischen Kommuniqué vom nächsten Tag, hieß es aber, sie hätten darüber verhandelt.

Nicht viel später behauptete Außenminister Horn - der ganz sicher die Aufzeichnung von Genscher damals noch nicht kannte -, nach seinen Verhandlungen im September 1988 in Bonn hätte die ungarische Stasi von ihrem Partner in der DDR die damalige bundes-deutsche Aufzeichnung über diese Gespräche bekommen. Er hätte also Genscher gebeten, in Zukunft keine Aufzeichnungen zu machen.

Zugleich behauptet Horn, er hätte auf Schloss Gymnich seinen deutschen Gesprächspartnern versichert, Ungarn werde nie die Flüchtlinge an die DDR ausliefern. Laut Bundeskanzler Kohl aber stammt dieses Versprechen nicht von Horn, sondern von dem Ministerpräsidenten Németh, mit der Bemerkung, Ungarn werde seine Grenzen für die Flüchtlinge öffnen. Egal von wem, aber diese Wörter, die der Geschichte eine neue Bahn räumten, sind ganz sicher im Schloss Gymnich gefallen. "Mir stiegen Tränen in den Augen" - sagt Helmut Kohl, ganz sicher war es der Augenblick. Die drei ungarischen Politiker, die anwesend waren, sprechen heute sehr ungern oder gar nicht über ihre damaligen Ängste. Was passiert, wenn die anderen Staaten des Warschauer Pakts wieder eine Heilige Allianz schließen, Honecker mit Ceaucescu einen Pakt schließt, wie werden sich die Bulgaren, die Tschechoslowaken verhalten, was passiert, wenn die Generäle in Rumänien nicht nur auf der Landkarte einen Angriff planen. Es ist keine Frage, Gorbatschow hat die Reformbestrebungen in Ungarn konsequent unterstützt, die ungarischen Reformkommunisten waren aber doch unsicher, wie weit der sowjetische Generalsekretär in seiner Toleranz ginge, oder auf der anderen Seite, wie stabil seine Macht wäre. Später behaupteten sie einheitlich, die Grenzöffnung wäre ein souveräner Entschluss gewesen ohne vorherige sowjetische Genehmigung. Die Gefahr eines Militärputschs in Moskau hielten sie für unwahrscheinlich, doch war die Entscheidung in Budapest nicht so einfach und souverän, wie sie später vielleicht selbst glauben wollten. Den Beschluss des Politbüros über die Abschaffung des elektrischen Überwachungssystems teilte Miklós Németh am 3. März persönlich Gorbatschow mit, wobei er ihn an seine nicht lange vorher in Kiew gehaltene Rede erinnerte. Der Generalsekretär verkündete in der ukrainischen Hauptstadt, jedes sozialistische Land würde sich auf seine eigene Art entwickeln und ihre Führungen wären vor allem ihrem eigenen Volk verantwortlich. Németh begründete die ungarische Maßnahme damit, dass der Vorhang keinen Sinn mehr hätte, er diene einzig für die Festnahme von Flüchtlingen aus Rumänien und aus der DDR, versprach aber, es sei ihre Absicht, auch "mit den Genossen der DDR darüber zu sprechen". Gorbatschow nahm die Information ohne jeden Einwand zu Kenntnis.

Bei den Verhandlungen mit Károly Grósz, dem ungarischen Generalsekretär, zeigte Gorbatschow am Ende des Monats eher mehr Härte, und auch Misstrauen gegenüber dem Westen. Im Grunde genommen war er aber der Meinung, der Westen sei an einer Destabilisierung im Osten nicht interessiert. Interessanterweise war diese Härte an der ZK-Sitzung, wo Grósz das ZK mündlich über seinen Besuch informierte, weniger zu spüren, als in der schriftlichen Meldung an das Politbüro, die von seinem Sekretär Gyula Thürmer verfasst war. Thürmer leitet heute eine kleinere kommunistische Partei. Aber Gorbatschow schien auch für seine unmittelbaren Mitarbeiter unsicher zu sein. Sein Sekretär schreibt am 2. Mai in seinen Tagebuch, auch der Generalsekretär würde fühlen, die Zügel rutschten ihm aus der Hand, "er hat keine Vorstellung, wohin das führen wird".
Trotz dieser Unsicherheit ist die Perestroika in der Außenpolitik nicht mehr aufzuhalten. So gibt der Kommandant der sowjetischen Heeresgruppe Süd am 21. April den Auszug von mehr als 10 000 sowjetischen Soldaten und 450 Panzern aus Ungarn bekannt, das soll vor allem den Grenzgebiet zu Österreich betreffen, wo laut dem Sowjetgeneral eine Friedenszone errichtet werden soll. Beim Treffen von Eduard Schewardnadse mit Erich Honecker vom 9. Juni zeigte sich der sowjetische Außenminister wegen der Entwicklung in Polen besorgt, aber auch die in Ungarn sei nicht beruhigend. Honecker sprach von der Gefahr einer neuen Konterrevolution. Laut der deutschen Aufzeichnung, hat Schewardnadse diese Beurteilung ohne Kommentar zur Kenntnis genommen. Von viel größerer Bedeutung war aber drei Tage später das Gespräch unter vier Augen zwischen Gorbatschow und Kohl in Bonn. "Wir sind der Meinung - erläutert der Bundeskanzler dem Generalsekretär -, dass die Ungarn selbst entscheiden sollten, was richtig ist. Niemand soll sich in ihre Angelegenheiten einmischen." Kohl meinte, Gorbatschow wäre der selben Meinung gewesen, die Aufzeichnung von Anatolij Tschernajew über das Gespräch bestätigt wortwörtlich die Vermutung des Bundeskanzlers.

Kurze Zeit nach den Verhandlungen im Schloss rief Kohl Gorbatschow an: "Ich berichtete ihm, was ich mit Mik1ós Németh und Gyula Horn besprochen hatte und fragte, ob sie seine Unterstützung hätten. Gorbatschow schwieg zunächst. Dann antwortete er: Die Ungarn sind gute Leute - nicht mehr und nicht weniger. Für mich war damit klar, dass der ungarische Ministerpräsident und sein Außenminister nicht auf eigene Haut handelten, sondern dass sie sich des Segens aus Moskau sicher waren. Dies musste für das SED-Regime unweigerlich der Anfang vom Ende sein."

Der Botschafter István Horváth berichtet über die Verhandlung in ganz ähnlicher Weise, was kein Wunder ist, denn er nimmt sich die Erinnerungen des Bundeskanzlers zu Hilfe, zitiert ihn auch dort wortwörtlich, wo kein Zitat ist. Von dem Telefongespräch - behauptet Horváth - hätte er erst später erfahren, den "Segen" Moskaus versucht er aber zu wider legen mit der Behauptung, sie hätten die sowjetischen Führung erst am 8. September über die geplante Grenzöffnung informiert. Wahrscheinlich kann man doch der Vermutung von Kohl Glauben schenken.

Wie auch immer, geplant war eine gemeinsame Reise des Ministerpräsidenten und des Außenministers auch nach Ostberlin, wo aber aus "gesundheitlichen Gründen" keine Möglichkeit bestand Németh zu empfangen. Horn sah darin ein Zeichen des Zorns der DDR-Führung, wobei die DDR-Demokratie wahrscheinlich wirklich nicht im Stande war, dem Ministerpräsidenten einen Partner zu stellen. So flog Minister Horn am 31. August alleine nach Berlin. Am selben Tag meldete die Nachrichtenagentur Reuter, es hätten schon insgesamt 6000 Flüchtlinge aus der DDR die ungarische Grenze passiert.

Die Verhandlungen in Berlin - Horn trifft zuerst Oskar Fischer, dann Günter Mittag - verliefen steinhart. Der ungarische Außenminister sagte klipp und klar, seine Regierung werde - zwar nur provisorisch - die Geheimklausel, das heißt das Zusatzprotokoll aus 1969 kündigen und am 3.September die Grenzen öffnen. Drohungen und Protest der DDR-Genossen konnten an der schon beschlossenen Tatsache nichts mehr ändern, sie erreichten nur einen Aufschub von einer Woche, um ihre Bürger - mit Hilfe der Stasi - in Ungarn zu überzeugen. Horn behauptete später, der Zeitpunkt wäre von vornherein so geplant gewesen. Die meisten Quellen schweigen darüber, aber es scheint eine Tatsache zu sein, dass Horn von dem Chef des ungarischen Staatssicherheitsdienstes begleitet wurde, der dann mit Erich Milke verhandelte. Am nächsten Tag, am 1. September, hat der Außenminister vor dem Plenum des ZK auf eine konkrete Frage antwortend über die Flüchtlingsfrage und über seine ergebnislosen Verhandlungen in Berlin berichtet. Die geplanten Maßnahmen, die er nicht näher beschrieb, sollten innerhalb von zehn Tagen in Kraft treten. Horváth behauptet, das so genannte Kabinett hätte am 2. September die Grenzöffnung auf Mitternacht des 7. September festgelegt, darüber hätte er aber Genscher, den er in seiner Wohnung besuchte, nicht informiert.

Am 2. September erschien Karsten Voigt von der SPD in Budapest. Horn und sein Staatssekretär teilten ihm den frischen Beschluss vertraulich mit, die Flüchtlinge könnten innerhalb einiger Tage Ungarn verlassen. Darauf gaben am 3. September Bonner Regierungskreise bekannt, Ungarn öffnet am nächsten Tag für die DDR-Flüchtlinge seine Grenzen. Die Nachricht wurde in Budapest sofort dementiert. Die ungarischen Politiker befanden sich wegen der Indiskretion plötzlich in einer peinlichen Lage, einerseits gegenüber die BRD, da sie einen Oppositionspolitiker über den Zeitpunkt eher informierten, als die offiziellen Stellen, andererseits gegenüber der DDR, denen Horn wahrscheinlich wirklich versprochen hat, die Grenze erst am 10. September zu öffnen. So wurde schnell beschlossen, dann doch bei dem 10. zu bleiben. Am 9. September unternahm Honecker noch einen Versuch: der DDR-Botschafter in Budapest übergab den Brief dem Vorsitzenden der USAP, in dem Honecker wieder eine Vermittlung durch Rechtsanwalt Vogel fordert, der das Problem ähnlich lösen könnte wie bei der Vertretung der Bundesrepublik in Berlin.

Die Ungarn hatten schon seit Wochen diese Lösung konsequent zurückgewiesen, so nun auch in dem Antwortbrief, der am 10. September in Namen des Präsidiums der ungarischen Partei formuliert wurde. Für die konkrete Situation trage Ungarn keine Verantwortung, strebe aber nach einer solchen Lösung, die "am wenigsten die Interessen sowohl der DDR, als auch Ungarns verletzt". So sähe sich Ungarn gezwungen, die Artikel 6 und 8 und das vertrauliche Zusatzprotokoll des Reiseverkehrsabkommens zwischen der DDR und Ungarn von 1969 zurückzuziehen. Dann war es endlich soweit: Am 10. September, 19 Uhr, wird in Budapest bekanntgegeben, die Grenzen werden für die DDR-Bürger ab Mitternacht offen sein.


 
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Europäische Werte vermitteln

Von Jürgen Rahmig

Bad Urach. Der Zwang der Europäischen Union, ihre Strukturen zu modernisieren, sollte von Brüssel nicht dazu missbraucht werden, den in Aussicht gestellten Beitritt der Erweiterungskandidaten immer weiter hinauszuschieben. Schon gar nicht sollte die dringend erforderliche Reform der EU-Strukturen mit der EU-Osterweiterung begründet werden.

"Die Union muss sich für sich selbst reformieren und nicht wegen der Beitrittsländer." János Wolfart, Gesandter der Republik Ungarn in Bonn, fasst die leidige Diskussion um den Beitrittstermin Ungarns auf seine humorvolle Art in einem Witz zusammen: "Wir wissen in Ungarn, dass es der 1. Januar sein wird, das spricht sich in Ungarn ja schon herum, es ist nur noch die Frage, in welchem Jahr."

Gleichzeitig warnt er seine Landsleute bei einer Tagung zum Thema "Minderheiten - Mehrheiten - Migranten" Anfang September im Haus auf der Alb in Bad Urach davor, sich die Zeit nach dem EU-Beitritt - wann auch immer er erfolgen sollte - leicht vorzustellen. Veranstalter der Tagung war das Europa-Zentrum Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung und dem Ungarischen Kulturinstitut in Stuttgart. Die wirtschaftliche Umstellung werde für die Magyaren sehr hart werden, so Wolfart weiter. Das werde erst die richtige marktwirtschaftliche Wende. "Man wird ungeschützter dastehen als jetzt." Doch auf dem Agrarsektor, wo vordergründig die meisten Umstellungsprobleme gesehen werden, "wird es nicht so schlimm für Ungarn". Der Agrarsektor spiele insgesamt keine so große Rolle im Bruttosozialprodukt Ungarns wie allgemein angenommen. "Tatsächlich denkt man an Polen, wenn man in der EU über Ungarn spricht." Auch das sei ein guter Grund dafür, die Beitrittsländer einzeln zu bewerten. Die Ungarn wehrten sich daher gegen die Blockbetrachtung durch Brüssel: "Wir wollen nicht immer Teil eines Blocks sein", meint Wolfart in Anspielung auf die lange "Zwangsmitgliedschaft im Ostblock". Kritisch setzt er sich mit der EU auseinander und wie sie nach außen hin in Erscheinung tritt. Die Union müsse versuchen, mehr gemeinsame europäische Werte zu vermitteln. Auch das sei ein Beitrag dazu, kulturelle Grenzen in Europa zu verhindern. Der frühere Staatssekretär der ungarischen Regierung für Minderheiten in Ungarn plädiert für ein Europa der Vielfalt und nennt als überaus positives Beispiel für eine gute Minderheitensituation diejenige der Deutschen in Belgien. Insgesamt aber gebe es nicht so viele wirklich gute Beispiele in Europa. Hier gibt es seiner Meinung nach also noch sehr viel zu tun, ganz besonders im mittel-osteuropäischen Raum. Es sei eben ganz typisch, dass man sich dort immer im Vergleich mit anderen zu behaupten und überhaupt zu definieren versucht habe.

Der Europarat besitzt seiner Auffassung nach nicht das Instrumentarium, um präventiv in Aktion treten zu können und die frühere KSZE (Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) habe nur so lange Sinn gemacht, wie es die Bipolarität in Europa gegeben habe. Die heutige Nachfolgeorganisation der KSZE, die OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) nennt er eine "gutmütige Organisation ohne Durchsetzungsfähigkeit". Wenn man immer nur nach einem Grundkonsens sucht, dann lassen sich seiner Meinung nach Konflikte nicht aufhalten. Wolfart moniert auch die "fehlende Effektivität" der OSZE.

Wolfart fordert eine internationale Beobachtung der Minderheitensituation in den einzelnen Staaten. Wer das sein könnte und wie das zu bewerkstelligen sei, das lässt er allerdings offen. Der EU komme auch hier eine wichtige Rolle zu, die ja auch eine Sicherheitsgemeinschaft sei wie umgekehrt die Nato auch einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstelle. Falsch nennt er allerdings die in Brüssel herrschende Auffassung, die Beitrittskandidaten sollten doch erst einmal alle ihre Probleme untereinander lösen - dann könnten sie an die Tore der EU klopfen. Genau das sei doch falsch. "Diese Staaten waren doch in den vergangenen 100 Jahren nicht fähig, mit ihren Problemen klarzukommen." Genau deswegen aber seien sie auf Hilfestellung angewiesen.


 
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Verheugen-Äußerungen

Brüssel. Für einige Aufregung in Deutschland wie auch bei den potenziellen EU-Beitrittskandidaten haben die Äußerungen des deutschen und für die EU-Erweiterung zuständigen EU-Kommissars Günther Verheugen gesorgt, der innerhalb der Kommission für die Osterweiterung der Union zuständig ist. Er forderte Volksabstimmungen vor der Erweiterung. Das löste in Deutschland eine heftige Kontroverse über Für und Wider von Referenden aus und sorgte unter anderem auch in Ungarn für Nervosität. Die ungarische Regierung jedoch reagierte ziemlich gelassen, weil es sich dabei um ein Zeitungsinterview gehandelt habe und offensichtlich nicht um einen offiziellen Beitrag der Brüsseler Kommission. Wenige Tage später ruderte Verheugen auch schon zurück, indem er nun sogar Referenden zur Erweiterung ablehnte.

Unterdessen hat der ungarische Außenminister János Martonyi Mitte September nach Gesprächen mit der EU-Kommission in Brüssel erklärt, Ungarn wolle möglichst schnell EU-Mitglied werden und dabei nicht auf andere Beitrittskandidaten warten. In Budapest befürchtet man - wie Wolfart bereits andeutete - dass Polen als größter und politisch wichtigster Kandidat die Beitrittskriterien nicht in dem Maße erfüllt wie Ungarn. Ungarn sei schon "sehr, sehr nahe an einer Mitgliedschaft" sagte Verheugen. "Kein Kandidat", so Martonyi weiter, "hat sich verpflichtet, auf einen anderen zu warten."

Nach Ansicht der deutschen EU-Kommissarin Michaela Schreyer (für den Etat zuständig), hat die EU ein ausreichendes finanzielles Polster, um die Aufnahme von zehn Beitrittskandidaten bis zum Jahr 2006 zu verkraften. Eine Debatte über die Erweiterung auch von der Budgetseite aus, so Schreyer in Brüssel, könne manche Sorgen reduzieren helfen. Man könne mit Sicherheit sagen, dass die Erweiterung weniger als 0,3 Prozent des Bruttosozialprodukts kosten werde. "Die ökonomischen Vorteile werden größer sein", sagte die EU-Politikerin.

jr


 
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Ungarischer Ölskandal

Budapest. Für erhebliche Aufregung sorgt in Ungarn derzeit der Skandal um Treibstoffschiebereien und in diesem Zusammenhang um Steuer- und Zollvergehen ganz erheblichen Ausmaßes. Das Ganze soll sich in der ersten Hälfte der 90-er Jahre abgespielt haben. In die damit in Zusammenhang stehende Serie von Affären sind offensichtlich eine Vielzahl von Staatsbeamten verwickelt, unter anderem von Polizei und Zoll.

Eine neue Dimension erhielt der Skandal allerdings durch Beschuldigungen eines "Kronzeugen", der zahlreiche ungarische Spitzenpolitiker und insgesamt 130 ungarische Parlamentsabgeordnete beschuldigte, in die Affäre verwickelt zu sein. Diese Äußerungen tat der Zeuge in einer Sitzung des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Ölskandal. Da auch einige Namen genannt wurden - unter anderem der von Innenminister Pintér, der Name des ehemaligen MDF-Vorsitzenden Leszák und von Ex-Ministerpräsident Boross - ist man an schnellstmöglicher Aufklärung interessiert. Angesichts der komplizierten und undurchsichtigen, sich über Jahre hinziehenden Vorgänge scheint dies allerdings unwahrscheinlich. Überhaupt ist es wohl unwahrscheinlich, dass die Machenschaften, bei denen es um 100 Milliarden Forint gehen soll, auch nur annähernd vollständig aufgeklärt werden.

So ganz ernst genommen werden die Äußerungen des Zeugen ohnehin nicht überall. Dass allerdings neben Staatsbeamten auch Politiker in die Affären verwickelt sein müssen, ist andererseits auch ziemlich klar. Doch wer und wieviele, das führt nun zur Unruhe. Pauschale Anschuldigungen helfen aber kaum weiter.

npl


 
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Kohl in Budapest gefeiert

Budapest. In Budapest konnte sich Altbundeskanzler Helmut Kohl Mitte September so richtig wohl fühlen. Der deutsche CDU-Politiker kämpfte sichtlich mit Tränen der Rührung, als ihm Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán im ungarischen Parlament die Millenniums-Medaille überreichte. Zuvor hatte Orbán ihn in eine Reihe mit Reichskanzler Bismarck und Konrad Adenauer gestellt. Deutschland verdanke ihm, dass es ein neues Kapitel im 21. Jahrhundert aufschlagen und die Tragödien des 20. Jahrhunderts hinter sich lassen konnte. Helmut Kohl wiederum erinnerte in seiner Dankesrede an die historische Entscheidung der damaligen reform-kommunistischen ungarischen Regierung, Zehntausende von DDR-Bürgern in den Westen ausreisen zu lassen. "Wir werden diesen großartigen Freundschaftsdienst nie vergessen."

ag/jr


 
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Hungarologie in Pécs

Pécs. Kurse in Hungarologie - Sprache und Kultur - bietet die Janus Pannonius Universität in Pécs an. Die Kurse sind nicht nur für Ungarn gedacht, sondern auch für internationale Teilnehmer geöffnet, die das Ungarische als eine Fremdsprache studieren beziehungsweise ein Universitätsstudium zur ungarischen Kultur aufnehmen. Internationale Kursteilnehmer können Sprachkurse auf Anfänger-, Zwischen- oder Hochentwickelter-Stufe aufnehmen. Der Zweck des Trainings ist es, Kursteilnehmer zu aktivieren, Ungarisch als Fremdsprache und ungarische Kultur den Ausländern entweder in Ungarn oder im Ausland zu vermitteln. Die Studiendauer beträgt acht Semester. Das Studium baut sich aus Grund- und Hauptstudium sowie einem Praktikum bei der Zielgruppe der Ausländer auf. Am Ende steht nach einer Diplomarbeit das Diplom in der ungarischen Sprache und Kultur.

Weitere Informationen zur Janus Pannonius Universität in Pécs und speziell zum angebotenen Studiengang Hungarologie gibt es unter der Tel.-Nr. 0036 (72) 327-622/4336 oder per Fax: 0036 (72) 501-558 oder über E-Mail: szucs@btk.jpte.hu, sowie im Internet unter der Adresse: www.nko.jpte.hu


 
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Sammlung für Theiß-Fischer

Stuttgart. Mehrfach hatte die Deutsch-Ungarische Gesellschaft in den vergangenen Monaten dazu aufgerufen, für die geschädigten Familien von Theiß-Fischern zu spenden, die von den Giftunglücken und nachfolgend von der Hochwasserkatastrophe in Ungarn besonders hart getroffen wurden. Das Ergebnis der Spendenaktion unter den Mitgliedern und auf DUG-Veranstaltungen: bislang 860 Mark.

Nun wird es höchste Zeit, dass das Geld zu den Betroffenen gelangt. Insbesondere über unsere Partnergesellschaft in Ungarn, den Humboldt-Verein Ungarn mit seinem Präsidenten Dr. János Fischer an der Spitze, werden Familien ausfindig gemacht, denen das Schicksal besonders übel mitgespielt hat. Gleichzeitig soll aber auch eine Fehlleitung der Gelder ausgeschlossen werden. Unsere Partnergesellschaft soll das Geld nun in Ungarn unbürokratisch und direkt an diese Fischer-Familien verteilen. Wievielen Familien und wo mit Ihren Spenden letztlich geholfen werden konnte, darüber werden wir Sie in der DUG-Korrespondenz noch informieren. Bis dahin zunächst einmal herzlichen Dank an alle Spenderinnen und Spende.

dug


 
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DUG-Nachrichten

Große DUG-Millenniumsausstellung ungarischer Künstler im Terminal 1 des Stuttgarter Flughafens

Eine große Ausstellung mit Werken von sage und schreibe 25 ungarischen Künstlern hat die Deutsch-Ungarische Gesellschaft unter Federführung von DUG-Mitglied Erika Hambel auf die Beine gestellt. Diese Millenniumsausstellung auf den Galerien West und Ost im Terminal 1 des Stuttgarter Flughafens vereinigt Bildhauer, Maler, Grafiker, Textilkünstler und eine Goldschmiedin in einer einzigen Ausstellung.

Sie werden repräsentiert durch Mitglieder der Künstlergruppen FOLYAMAT und Vudak sowie Gastkünstler. Im Einzelnen sind das:

Ildikó Bakos (Bildhauerin), Eszter Balás (Bildhauerin), Géza Balogh (Maler und Bildhauer), Daniela Bikácsi (Malerin), Tibor Budahelyi (Bildhauer), Róbert Csáki (Maler), Antal Dechandt (Bildhauer), Alajos Eszik (Grafiker), Kazovszkij El (Malerin), József Gaál (Maler und Grafiker), Tamara Illényi (Malerin), Péter Balász Kovács (Maler und Grafiker), Flóra Laborcz (Bildhauerin und Goldschmiedin), Berta Mayer (Malerin), Éva Nyerges (Textil/Gobelin), Tamás Oláh (Textil/Gobelin), Agnes Péter (Bildhauerin), Volker Schwarz (Maler), Edit Székhelyi (Malerin), Géza Szily (Maler), József Szurcsik (Maler und Grafiker), András Végh (Maler), János Wágner (Maler) und die verstorbenen Künstler Ádám Misch (Maler) und Ildikó Simsay (Malerin).

Die Vernissage ist am Sonntag, 22. Oktober 2000, um 17 Uhr am Stuttgarter Flughafen auf den Galerien West und Ost im Terminal 1. Sie sind dazu herzlich eingeladen. Zur Vernissage AFCOA gibt es eine Parksonderpauschale für den Parkplatz P4 von fünf Mark. Legen Sie bitte den gelösten Parkschein vor. Zur Vernissage begrüßt Sie der Geschäftsführer der Flughafen Stuttgart GmbH, Walter Schoefer. Die Veranstaltung wird vom DUG-Vorsitzenden Dr. Christian O. Steger eröffnet. Der Kunsthistoriker Dr. Wojciech Sztaba führt in die Ausstellung ein. Die Vernissage wird musikalisch umrahmt von Katharina Bácsalmási (Blockflöte) und Thomas Rose (Gitarre).

Für die Unterstützung bei der Verwirklichung der Ausstellung im Rahmen des Kulturforums am Airport Stuttgart dankt die DUG der Landesbank Baden-Württemberg, der Flughafen Stuttgart GmbH und der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg.

Die Ausstellung ist vom 22. Oktober bis 19. November 2000 zu sehen.


 
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Termine/Veranstaltungen

22. Oktober 2000, 17 Uhr: Eröffnung der Millenniumsausstellung ungarischer Künstler auf der Galerien Ost und West des Terminals 1 im Stuttgarter Flughafen. Die Ausstellung ist bis 19. November 2000 geöffnet.

28. Oktober: Kulturtagung der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn im Gerlinger Rathaus.

28. Oktober bis 5. November: Internationale Jugendarbeit mit Ungarn, Veranstalter DLRG-Jugend Wertheim/GJU-Freundeskreis VSJU Szekszárd, in Wertheim und Thüringen. Auf dem Programm stehen unter anderem ein Besuch in Heidelberg, eine Fahrt nach Suhl in Thüringen, nach Weimar und Jena, Workshops zu Schiller, Goethe und deutscher Literatur.

8./9. November: Stadtfest die "Reichsstädter Tage" in der Stadt Aalen. Dazu wird eine sechsköpfige offizielle Delegation aus der Partnerstadt Tatabánya zusammen mit einer 50 Personen starken Gruppe (Chor und Tanzgruppe) erwartet.

10. November bis 3. Dezember: "Karlsruher Bücherschau", Ungarn als Gastland bei der Bücherschau. Ort: Landesgewerbeamt, Karl-Friedrich-Str. 17, Karlsruhe.

2. und 3. Dezember: Galakonzerte der Stuttgarter Philharmoniker mit Musik von Lehár und Kálmán im Hegel-Saal der Stuttgarter Liederhalle.

Die Veranstaltungen des "Magyar Millennium Baden-Württemberg" sind auf den Internet-Seiten der DUG vollständig veröffentlicht. Das Logo zum Millennium in diesem Heft kann von der Internet-Homepage der DUG heruntergeladen werden (www.gemeindetag-bw.de/dug/index.php).


 
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Kulturinstitut der Republik Ungarn
in Stuttgart:

Interessierte können das Programm des Kulturinstituts direkt beim Kulturinstitut anfordern. Anschrift: Ungarisches Kulturinstitut, Haussmannstraße 22, 70188 Stuttgart. Tel.: 0711-16 48 70

Bibliothek, Videoausleihe und Zeitschriften-Lesesaal:

Im Institut steht Ihnen eine Bibliothek mit ausgewählter Literatur aus und über Ungarn zur Verfügung. Die Zahl unserer Bücher vermehrt sich allmählich. Unsere Bibliothekarin, Frau Dr. Judit Fodor, ist Ihnen bei der Literatursuche gerne behilflich. Im Lesesaal oder im Café können Sie die wichtigsten Tageszeitungen und Zeitschriften lesen.

Café:

Im Café im ersten Stock erwarten wir unsere Gäste eine Stunde vor Beginn der Veranstaltungen.

Sprachkurse:

Wenn Sie vor dem Urlaub stehen oder einfach durch die Sprache unsere Kultur besser kennenlernen wollen, bietet das Institut Anfängern und Fortgeschrittenen, die Ungarisch lernen wollen, einen maßgeschneiderten Sprachunterricht. Auskunft im Sekretariat des Kulturinstituts, Tel.: 0711-16 48 70.

Sprachkurse für Kinder:

Einmal pro Woche finden Kurse für Kinder statt, in denen sie ungarische Spiele, Kinderlieder, Gedichte lernen. Ziel ist es, die ungarische Sprache spielerisch beizubringen, die Kommunikationsfähigkeit der Kinder weiterzuentwickeln. Weitere Informationen bei Tünde Rauner Stehr, Tel.: 0711-32 87 08.

Jugendklub:

Der Jugendklub veranstaltet einmal im Monat im Institut einen thematischen Abend. Herzlich willkommen sind alle jungen Leute, die sich für die ungarische Kultur interessieren. Nähere Informationen beim Klubleiter Péter Tamás, Tel.: 0711-257 20 54.

Öffnungszeiten Kulturinstitut:

Werktags von 10 bis 17 Uhr. Ausstellungssaal, Bibliothek und Lesesaal: werktags von 13 bis 17 Uhr. Café: eine Stunde vor der Veranstaltung.

Programmänderungen vorbehalten. Wenn Ort der Veranstaltung nicht angegeben, findet sie im Kulturinstitut statt.

Sonstiges:

Ungarische Schüler und Schülerinnen suchen wegen Sprachübung Partner. Sinn der Kontakte sind gegenseitige Besuche (Austausch). Das Ungarische Kulturinstitut in Stuttgart vermittelt gerne!










 

Service/Anschriften
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Namen und Anschriften des DUG-Vorstandes:

Dr. Christian O. Steger
Panoramastraße 33
70174 Stuttgart
Tel.: 0711 225 72 30
Fax: 0711 225 72 47

Thomas Bleicher
Postfach 100 123
70826 Gerlingen
Tel.: 07156 43 08 0
Fax: 07156 43 08 40

Doris Frank
Blumenstraße 34
70839 Gerlingen
Tel.: 07156 43 23 65

Erika Hambel
Uhlandstraße 46
71134 Aidlingen
Tel. und Fax: 07034 80 28

Jürgen Rahmig
Sperberweg 21
72829 Engstingen
Tel. und Fax: 07129 75 60

Albrecht Sellner
Reiflestr. 1
70829 Gerlingen
Tel.: 07156 488 11

DUG-Geschäftsstelle
Hauptstraße 42 (Rathaus)
70839 Gerlingen
Tel.: 07156 205 325
Fax: 07156 205 345
(die Geschäftstelle ist mittwochs von 16 bis 19 Uhr besetzt)

e-mail: 07113650207-0001@t-online.de

Hinweise für den Veranstaltungsteil, Termine, Beiträge und Material für die DUG-Korrespondenz bitte an die DUG-Geschäftsstelle oder an: Jürgen Rahmig, Sperberweg 21, 72829 Engstingen. Tel/Fax: 07129/7560

Weitere wichtige Anschriften:

Kulturinstitut der Republik Ungarn
Haußmannstr. 22,
70188 Stuttgart
Tel.: 0711 1648 70
Fax: 0711 1648 710

Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Budapest
Stefánia út 101-103
H-1440 Budapest XIV
Tel.: 0036 1 467 35 00
Fax.: 0036 1 467 35 05

Botschaft der Republik Ungarn in Deutschland:
Unter den Linden 76,
10117 Berlin
Tel.: 030 220 25 61
Fax.: 030 229 22 57 oder

Außenstelle Bonn
53175 Bonn
Turmstraße 30,
Tel.: 02 28 37 10 23
Fax: 02 28 37 10 25

Generalkonsulat der Republik Ungarn
Haußmannstraße 22
70188 Stuttgart
Tel.: 0711 238 93 20
Fax: 0711 238 93 22

Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg
Panoramastraße 13
70174 Stuttgart
Tel.: O711 669 51 26
Fax.: 0711 669 51 49
e-mail: dsk@hdhbw.bwl.de
Internet: www.gemeindetag-bw.de/dsks/dsks.htm

Institut für Auslandsbeziehungen
Charlottenplatz 17
70173 Stuttgart
Postanschrift: Postfach 102463
70020 Stuttgart
Tel.: 0711 22 25 0
Fax.: 0711 226 43 46
e-mail: info@ifa.de
Internet: www.ifa.de

Europahaus Baden-Württemberg
Nadlerstraße 4, 70173 Stuttgart
Tel.: 0711 23 62 37 6
Fax.: 0711 23 493 68
e-mail: europa.bw@t-online.de
Internet: www.europa-zentrum.de

Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg
Schlossstraße 92, 70176 Stuttgart
Tel.: 0711 669 51 0
Fax: 0711 669 51 49

Institut für Donauschwäbische Geschichte und Landeskunde
Mohlstraße 18,72074 Tübingen
Tel.: 07071 200 25 0
Fax.: 07071 200 25 35
e-mail: fassel@idgl..oe.uni-tuebingen.de
Internet: www.uni-tuebingen.de/donauschw.institut

Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn
Landesverband Baden-Württemberg e.V.
Schlossstraße 92, 70176 Stuttgart
Tel: 0711 61 23 68 und 07051 34 27
Fax.: 0711 669 51 49

Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen
Júlia u. 9, 1026 Budapest II
Postanschrift: Postfach 348, 1537 Budapest
Tel.: 0036-1 / 212 91 51, -91 52
Fax.: 0036-1 / 212 91 53

DJO Deutsche Jugend in Europa
Landesverband Baden-Württemberg e.V.
Schlossstraße 92, 70176 Stuttgart
Tel.: 0711 62 51 38
Fax.: 0711 62 51 68
e-mail: mailto:zentrale@djobw.de
Internet: www.djobw.de

Kulturverein Nikolaus Lenau e.V.
Munkácsy út 8, H-7621 Pécs
Tel.: 0036-72 / 332 515, -212 177
Fax: 0036-72 / 332 515, -212 177
e-mail: lenauhaus@mail.datanet.hu
Internet: www.pecs.hu/pecs/nemet/lenau.html

Goethe Institut Budapest
Andrássy út 24, H-1061 Budapest
Tel.: 0036-1 / 374 40 70
Fax: 0036-1 / 374 40 80
e-mail: goethe@goethe.hu
Internet: www.goethe.de/ms/bud

Südosteuropa-Gesellschaft
Widenmayerstraße 49, 80538 München
Tel.: 089 212 15 40
Fax: 089 228 94 69
e-mail: suedosteuropa-gesellschaft@t-online.de
Internet: suedosteuropa_ges.com

Südost-Institut
Güllstraße 7, 80336 München
Tel.: 089 74 61 33 0
Fax: 089 74 61 33 33
e-mail: u9511bo@mail.lrz-muenchen.de

Deutsch-Ungarische Industrie- und Handelskammer
Lövöház utca 30, H-1024 Budapest
Tel.: 0036-1 / 345 76 00
Fax: 0036-1 / 315 06 38
e-mail: ahkung@ahkungarn.hu
Internet: www.huihk.hu

Deutsch-Ungarische Juristenvereinigung e.V.
Neue Mainzer Straße 75, 60311 Frankfurt/Main
Tel.: 069 92 05 90
Fax: 069 92 059 133
e-mail: marc-tell_madl@hhp.de

Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde
Schloss Horneck
74831 Gundelsheim/Neckar
Tel.: 062 69 421 00
Fax: 062 69 42 10 10
e-mail: institut@sb-gun1.bib-bw.de
Internet: http://www.genealogienetz.de/vereine/DAGV/mgl65.html#internet


 
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Kronach und Kiskunhalas

Kronach/Kiskunhalas. Als sich im Sommer die beiden Berufsschullehrer Karlheinz Kestel aus Kronach und János Schwob aus Kiskunhalas am Badesee von Soltvadkert trafen, konnte noch niemand ahnen, dass sich aus dieser Begegnung schon bald eine Schul- und dann auch eine Städtepartnerschaft entwickeln würde. Das war 1989. Doch schon ein halbes Jahr später besichtigten Oberstudiendirektor Helfried Förs-ter und Studiendirektor Karlheinz Kestel auf Einladung des ungarischen Schuldirektors György Jekö dessen Berufsschule in Kiskunhalas und bereiteten den ersten Schüleraustausch vor, der von Kronacher Seite bereits im Mai 1990 stattfand. Am 12. Oktober 1990 wurde dann schon der offizielle Partnerschaftsvertrag zwischen beiden Schulen abgeschlossen, dem sich ein Jahr später auch die Schule für Handel und Ernährung in Kiskunhalas anschloss. Im Mai 1991 war die erste ungarische Schülergruppe zu Gast in Kronach und seitdem besuchen abwechseln jedes zweite Jahr Gruppen von etwa 20 Schülern ihre Partner.

Im darauffolgenden Jahr besuchten sich die Bürgermeister jeweils in der anderen Stadt. Die Partnerschaft wird in der Folgezeit vertieft. Im Oktober 1994 wird die Partnerschaft schließlich in Kiskunhalas offiziell besiegelt und im Mai 1995 im Rahmen eines Festprogramms auch in Kronach.

Seitdem, aber auch schon in den Jahren zuvor, herrscht reger Austauschbetrieb zwischen beiden Städten durch Vereine, vor allem aber durch Schüler und Lehrer. Die Partnerschaft ist so lebendig, wie es niemand bei Beginn ahnen konnte. Allein in diesem Jahr besuchten bisher vier ungarische Delegationen und Schülergruppen mit 125 Personen Kronach - und eine Kronacher Gruppe weilte in Halas. Wie sagte doch die ungarische Schülerin Margot Ágota in ihrer Ansprache: "Unsere Partnerschaft steht auf starken Füßen...so ist eine tausend Kilometer lange Brücke zwischen Kronach und Kiskunhalas entstanden."

Dies alles steht unter anderem in einer bunten und unterhaltenden, mit viel Liebe und Sorgfalt entstandenen Broschüre, die die Stadt Kronach im Mai 2000 zum fünfjährigen Bestehen der Partnerschaft herausgegeben hat. Allein schon diese Broschüre ist ein Beweis dafür, wie lebendig diese Partnerschaft zwischen den beiden Städten und ihren Menschen ist.

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Natur pur in Ungarn

Reutlingen/Szolnok. Natur im Überfluss genoss der Reutlinger Naturschutzbund im Juni in der Reutlinger Partnerstadt Szolnok und Umgebung. Zwischen den Naturschutzorganisationen der beiden Städte bestehen schon seit Jahren Kontakte. Die Theiß-Flußaue mit ihren Altarmen, Sümpfen und Überschwemmungsflächen ist nach wie vor ein Vogelparadies. Sándor Urban, Naturschutzbeauftragter Szolnoks, führte die Reutlinger Nabu-Leute in dieses Idyll, das auch hier nicht mehr so selbst-verständlich ist, wie es scheint. Doch überall im Land entstehen Partnerschaftsprojekte, können durch Ankauf ökologisch wertvoller Flächen gezielte und effektive Schutzmaßnahmen durchgeführt werden.

Touren führten an weiten Acker- und Weideflächen vorüber nach Nagykörös südwestlich von Szolnok. Der rotbraune Adlerbussard, Wiedehopf und Blauracke wurden beobachtet - und natürlich auch der Symbolvogel der Pußta, die Großtrappe. Im Nordosten bei Egyek verbinden sich ausgedehnte Moorwiesen mit Wiesensteppe. Es duftete nach Kamille und Thymian. Der Brachvogel, Löffler, die gesamte Reiherfamilie und die Schwarzflügelbrachschwalbe waren hier die herausragenden Beobachtungen. Eine weitere Exkursion führte in die Flachwasserzonen bei Hortobagy. Die Karpfenteichwirtschaft ist in Ungarn ein bedeutender Wirtschaftszweig.

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Traditionelles und Modernes

Wernau/Bonyhád. Mit fröhlichen Musicals, ungarischer Folklore und traditionellen Darbietungen feierten die Stadt Wernau und die ungarische Gemeine Bonyhád im Juli 2000 das zehnjährige Bestehen ihrer Partnerschaft. Dazu waren rund 200 Gäste aus Bonyhád nach Wernau gekommen. Bonyhád zählt rund 16 000 Einwohner. Die Stadt liegt zwischen Pécs und Szekszárd. Insbesondere die Produktion von Emaille-Gegenständen und Schuhen prägen das Bild der kleinen Industriestadt, die auch auf kulturellem und städtebaulichem Gebiet einiges zu bieten hat.

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Doppelter Grund zum Feiern

Leutenbach/Dunabogdány. Gleich doppelten Grund zum Feiern hatte das baden-württembergische Leutenbach im Juni 2000. So feierte Leutenbach das 25-jährige Gemeindejubiläum nach der Gemeindereform. Zugleich bestand die Partnerschaft mit der ungarischen Gemeinde Dunabogdány zehn Jahre. Eine rund 100-köpfige Delegation aus Leutenbach reiste zu den Jubiläumsfeierlichkeiten nach Ungarn. Bürgermeister József Schuzster aus Dunabogdány bezeichnete es als eine richtige Entscheidung, damals die Partnerschaft zu schließen: "Wir haben uns damals nicht vorstellen können, dass daraus eine so lebhafte Verbindung entstehen würde." Leutenbachs Bürgermeister Jürgen Kiesl nannte die Verbindung mit der ungarischen Gemeinde einen Glücksfall, nicht nur wegen der herrlichen Landschaft mit den attraktiven Ausflugszielen in der Nähe von Budapest, sondern vor allem wegen der Bogdányer, die so offenherzig und freundlich seien.

Höhepunkt der mehrtägigen Feiern mit einem bunten Programm war ein abendliches Konzert des Sinfonieorchesters Dunabogdány auf der Donau. Die Wassermusik von Händel auf einem Schiff war ein großartiges Erlebnis für alle Besucher des Konzertes. In wenigen Tagen, am 6. Oktober 2000, wird in Leutenbach der Festakt zum Gemeindejubiläum stattfinden, zu dem auch eine Delegation aus Ungarn erwartet wird.

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Zehn Jahre in Wort und Bild

Külsheim/Pécsvárad. Eine Bild- und Urkundenausstellung zum zehnjährigen Bestehen der Partnerschaft zwischen der Stadt Külsheim (Main-Tauber-Kreis) und Pécsvárad eröffnete Ende August die Festwoche in der ungarischen Partnerstadt. Die Ausstellung hatte das Lehrerkollegium der Grundschule Pécsvárad zusammengestellt. Gerade die Grundschulen beider Gemeinden waren es auch, die einen besonders regen Austausch betrieben. Doch auch auf Musik-, Sport-, Kultur- und privater Ebene gibt es viele Kontakte, darunter vom Männergesangverein Eiersheim und den Uissigheimer Musikanten. Allgemein war der Wunsch nach noch mehr Kontakten und Familienfreundschaften - auch mit der österreichischen Partnergemeinde Hausmannstätten. Zum Rahmenprogramm gehörten ein Besuch in Pécs und in Mecsceknádasd. In Zengövárkany besichtigten die Deutschen und Ungarn das Eiermuseum und in Máriagyüd die Wallfahrtskirche.

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Lengyeltóti-Tage und "Kerwe"

Dielheim/Lengyeltóti. Den Reigen der Aktivitäten im Millenniumsjahr eröffnete im März 2000 zum ungarischen Nationalfeiertag der Katholische Kirchenchor St. Cyriak aus Dielheim. Es gab nicht weniger als vier Anlässe für den Besuch in der Partnergemeinde Lengyeltóti: der ungarische Nationalfeiertag, die Feier zum 1000. Jahrestag der ungarischen Staatsgründung, das fünfjährige Bestehen des dortigen gemischten Chores und das Dienstjubiläum des Bürgermeisters.

Gleich zwei Partnerschafts-Jubiläen feierte man im Juni 2000 in Dielheim: Der Tag der Partnerschaftsbeurkundungen jährte sich zum 15. Mal mit der französischen Stadt St. Nicolas-de-Port in der Nähe von Nancy und zum 5. Mal mit Lengyeltóti. Das war Anlass genug, dass sich Dielheim einen schon lange gehegten Wunsch erfüllte: Nach einer Pause von vier Jahren wieder mal ein trinationales Treffen aller drei Städte zu veranstalten und Verbindungsglied zu sein zwischen Ost und West. Und erfreulicherweise haben Kirche, zahlreiche Vereine, die Dielheimer Kindergärten und die Leimbachtalschule die Idee aufgegriffen.v

Auch die Partnerstädte beteiligten sich aktiv an der Gestaltung des Wochenendes: So gab beispielsweise eine Jugendmusikkapelle aus Lengyeltóti bei ihren verschiedenen Auftritten beeindruckende Kostproben ihres Könnens. Die 19 Musikerinnen und Musiker im Alter zwischen sieben und 14 Jahren, Schüler der Jugendmusikschule in Lengyeltóti, spielen erst seit Oktober 1998 in dieser Formation zusammen. Musikbegeisterung und Talent - Voraussetzungen, die Musiklehrer László mit großem pädagogischem Geschick zu nutzen versteht. Aus der französischen Partnerstadt St. Nicolas-de-Port war der gemischte Chor "La Marjolaine" angereist.

Das von der Kerwe her bewährte und nun schon gut bekannte ungarische Küchenteam lockte mit seinen landestypischen Spezialitäten; das Zelt der Partnerstadt war auch bei diesem Fest Treffpunkt der einheimischen Ungarnfans und vieler ehemaliger Ungarn, die nach ihrer Vertreibung 1945 nach Dielheim kamen und hier eine neue Heimat fanden. Höhepunkt des Wochenendes war der Festgottesdienst am Sonntagmorgen, zelebriert vom Ortsgeistlichen Pfarrer Heribert Leider.

Prominente Gratulantin zum "Geburtstag" war die Europaabgeordnete Diemut Theato. "Die Gründerväter der Europäischen Gemeinschaften waren sich bewusst, dass die mittel- und osteuropäischen Länder ein unabkömmlicher Teil Europas sind, ohne die das europäische Einigungswerk nie vollkommen sein würde. 1963, nur zwei Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer, bezeugte dies der französische Staatsmann Robert Schumann mit den Worten: Wir müssen das geteilte Europa nicht nur im Interesse der freien Völker errichten, sondern auch, um die Völker Osteuropas in diese Gemeinschaft aufnehmen zu können, wenn sie, von den Zwängen, unter denen sie leiden, befreit, um ihren Beitritt und unsere moralische Unterstützung nachsuchen werden. Wir schulden ihnen das Vorbild des einigen, brüderlichen Europa", sagte Theato. "Die Einheit Europas war ein Traum von wenigen. Sie wurde die Hoffnung für viele. Sie ist heute die Notwendigkeit für uns alle", so die Politikerin.

Bürgermeister Bruno Gärtner überreichte seinen Bürgermeister-Kollegen Mireille Pichereau und Lajos Papszt die Ehrenmedaille der Gemeinde Dielheim.

Genau ein Wochenende später feierte die ungarische Partnerstadt die jährlichen "Lengyeltóti-Tage". Der Dielheimer Musikverein nutzte dieses Wochenende zur Fahrt nach Ungarn.

Das Partnerschaftsjubiläum hatte kürzlich ein "Nachspiel": Bürgermeister Gärtner stellte dem Gemeinderat und der Öffentlichkeit ein neues Fenster im Bürgersaal vor, versehen mit dem Wappen der ungarischen Partnergemeinde. Die Anregung dazu hatte Ortspfarrer Heribert Leider gegeben.

Ende September wurde erneut die Dielheimer Kerwe gefeiert. Den "Vorschriften" der Kerwe entsprechend beteiligen sich die ungarischen Gäste auch am Umzug, der unter dem Motto "Aus der Welt des Films" gestaltet wurde.

Zwei 14-jährige Praktikantinnen arbeiteten außerdem im Juli in gemeindeeigenen Kindergärten, ein junger Mann als Aushilfe im Gemeinde-Bauhof, ein Mädchen in einer Bibliothek in der Nachbarstadt und für ein halbes Jahr hält sich ein Au-pair-Mädchen auf Dielheimer Vermittlung hin in einer Familie in einer Nachbargemeinde auf.

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Buchbesprechungen

Sándor Regös: Wie lustig kann eine Baracke sein? 166 Seiten, Batthyany Lajos Gesellschaft e.V. Budapest.

Auf äußerst humorvolle Art beschäftigt sich der ehemalige ungarische Generalkonsul in Stuttgart, Sándor Regös, mit der jüngeren ungarischen Vergangenheit. Der ehemalige Fernseh- und Rundfunkjournalist legt hier Momentaufnahmen aus der Zeit der kommunistischen Diktatur in Ungarn vor, die er selbst hautnah miterlebt hat. Er macht keinen Hehl aus seiner Abneigung gegenüber dem Kommunismus. "Die von den kommunistischen Diktatoren praktizierte Art des Sozialismus war ein der Machterhaltung dienendes, geordnetes Chaos".

Aufgrund seiner journalistischen Tätigkeit hat er als Chronist auch tief hinter die Kulissen des Kádár-Regimes blicken können. So kann Regös sozusagen aus dem Nähkästchen plaudern. Er erzählt vom Journalistenalltag im real existierenden Sozialismus und deckt dabei die Verlogenheit und Scheinheiligkeit eines Systems auf, das unter Kádár, ohne an den Grundpfeilern des Marxismus-Leninismus zu rütteln, in manchen Fragen Zugeständnisse an seine Untertanen machte, und dem System dadurch ein gewisses menschliches Antlitz verleihen konnte.

jr


Sándor Kurtan/Karin Liebhart/Andreas Pribersky: Ungarn. 205 Seiten. 24 Mark. Verlag C.H. Beck München.

Ungarns Geschichte von den Anfängen bis 1998, seine politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung haben die Autoren des in der Beck´schen Reihe Länder herausgegebenen Buches "Ungarn" auf kleinem Raum zusammengefasst. Zahlreiche Abbildungen und ein Anhang mit Zeittafel, Karten und vor allem auch mit Internet-Adressen zu Ungarn ergänzen das informative Buch.

jr


Paul Lendvai: Die Ungarn. Ein Jahrtausend Sieger in Niederlagen. 634 Seiten. 49,90 Mark. Bertelsmann Verlag München.

Der gebürtige Ungar und Wahl-Österreicher Paul Lendvai hat mit seinem Buch "Die Ungarn - Ein Jahrtausend Sieger in Niederlagen" eine Art Standardwerk der ungarischen Geschichte geschrieben. Lendvai, Jahrgang 1929, ist Journalist und Mittel- und Osteuropa-Spezialist. Seine Geschichte der Ungarn in den vergangenen 1000 Jahren liest sich fast wie ein historischer Roman. In bewährter Manier, kenntnisreich und aus seinem großen Fundus an Wissen über Ungarn und die Ungarn schöpfend, versucht er dem Leser dieses "einsamste Volk in Europa" näher zu bringen. Dies bezieht sich vor allem auf die in Mitteleuropa so einzigartige Sprache, die die Magyaren auf ihrer langen Reise von den Hängen des fernen Ural bis ins Karpatenbecken mitgebracht und bis in die heutige Zeit erhalten haben.

Bis zum Erscheinen der Ungarn im Karpatenbecken war dieses eine Art von Durchgangsstraße für eine Vielzahl von Völkern. Keines konnte sich dort dauerhaft festsetzen. Das gelang eben erst den Ungarn und ist ein Verdienst ihres später heilig gesprochenen ersten Königs, der vor 1000 Jahren den Übergang des nomadischen Reitervolkes zum Christentum schaffte und den ungarischen Staat schuf.

Das Überleben Ungarns, eingeklemmt zwischen großen Mächten, war nicht einfach und über die Jahrhunderte hinweg von Kämpfen gekennzeichnet, die oft genug in schweren Niederlagen endeten. Doch die Ungarn als Lebens- und Überlebenskünstler schafften es immer wieder, diese Niederlagen in Siege umzumünzen. Doch Lendvai beschönigt auch nichts, er beleuchtet auch die dunklen Kapitel der ungarischen Geschichte wie die aggressive Magyarisierunspolitik Ende des 19. Jahrhunderts.

Schade allerdings, dass er im letzten Kapitel des Bandes der beliebten ungarischen Unsitte verfällt, die vielen Ungarn aufzuzählen, die sich in Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft welt-weit hervorgetan haben - so als werde die Kreativität und der Ideenreichtum dieses vitalen Volkes irgendwo in Abrede gestellt und als sei das Gegenteil zu bewiesen. Diese Persönlichkeiten gehören selbstverständlich auch zu Ungarn und seiner Geschichte, aber diese lange Aufzählung wirkt doch irgendwie deplaziert.

jr


Géza Hegedüs: Ungarische Jahrhunderte - Ein kulturhistorischer Streifzug. 381 Seiten, mehrere Abbildungen. 48 Mark. Edition q in der Quintessenz Verlags GmbH Berlin.

Der leider 1999 verstorbene Géza Hegedüs gehört zu den beliebtesten Autoren in Ungarn. Sein Streifzug durch 1100 Jahre ungarische Geschichte und Kultur ist ebenso fesselnd wie informativ. Hegedüs, der zahlreiche historische Romane und geschichtliche Werke verfasst hat, der Dramen, Gedichte, Hörspiele schuf, ist ein Meister der kulturhistorischen Darstellung. Er will ein lebendiges Bild der jeweiligen Zeit und ihrer Atmosphäre geben. Das ist ihm auch mit diesem großen Werk gelungen.

Auf leichte Art führt er den Leser durch die wesentlichen und bestimmenden Epochen der ungarischen Entwicklung, beginnend mit der Landnahme durch Árpád und endend mit der Überwindung der kommunistischen Ära. Dieses Buch spricht alle an - jene, die die so eng mit Deutschland verknüpfte ungarische Geschichte bereits kennen ebenso wie jene, die sich einen schnellen, aber dennoch kritischen Überblick über das Wesentliche verschaffen wollen. Hegedüs zeichnet Porträts der großen und wegweisenden Persönlichkeiten Ungarns wie Stephan dem Heiligen, den Hunyadis, Matthias Corvinus und Franz II. Rakoczi bis zu Kossuth sowie der bedeutenden Dichter und Musiker, von Petöfi und Mór Jókai bis zu Bártok und Kódaly. Der vorliegende Band profitiert aber auch ungemein von der ausgezeichneten Übersetzung ins Deutsche durch Edit Barányai und Mátyás Esterhazy.

jr


Györgyi Vándor: Mehr als eine Stimme im Chor. Erinnerungen einer Frau an Ungarn 1948-1956. 14,90 Mark. 267 Seiten. Ullstein Buchverlage Berlin.

Die traurige, mitreißende, packend geschriebene Geschichte einer Gefangenschaft. Györgyi Vándors Buch ist wirklich mehr als eine Stimme im Chor. Sieben Jahre hat die junge Ungarin Györgyi Vándor aus politischen Gründen in den kommunistischen Gefängnissen Ungarns verbracht, sieben lange Jahre. Sieben Jahre - das kann sich jemand, der es nicht selbst erlebt hat wohl kaum vorstellen, und auch nicht vergegenwärtigen, was das für Körper, Geist und Seele bedeutet.

Ohne ihre Eltern benachrichtigen zu können, wird die junge Frau eines Tages im Jahr 1948 von der Geheimpolizei zuhause abgeholt. Warum? Das bekommt sie während der unendlichen Verhöre so nach und nach heraus. Weil sie jemanden kannte, der sich in der Zeit des stalinschen Bruchs mit dem jugoslawischen Diktator Tito verdächtig gemacht hatte.

Außerdem war sie Journalistin, Sozialdemokratin und Jüdin - eine Kombination, die in der Herrschaftszeit des ungarischen Stalinisten Rákosi fast schon den sicheren Weg ins Gefängnis bedeutete. Und Gefängnis und Strafvollzug, das war damals etwas ganz anderes als heutzutage.

Vándor gelingt es, die Schrecken der Gefangenschaft - abgelöst von langen Phasen der Eintönigkeit - zu meistern. Sie beschreibt ihre Strategien, mit denen sie Hoffnungslosigkeit und jene Schuldgefühle gegenüber den Eltern, Freunden oder guten Bekannten bekämpft, die unweigerlich aufkommen, wenn man davon ausgeht, dass man sie nicht mehr sieht, ihnen nicht mehr Lebewohl sagen konnte.

Sie beschreibt auch, wie sie sich ständig Gedanken über die Freilassung macht, wie sich das aber im Laufe der Jahre in Ängste vor dem Leben da Draußen wandelt und wie sie dann wieder davon loskommt. Das Buch ist ein Dokument einer Gefangenschaft in einer Zeit, in der ein hoher Prozentsatz der Ungarn Gefängnisse von innen kennen und hassen gelernt hat.


Árpád Göncz: Sandalenträger. 156 Seiten. 13,90 Mark. Aufbau Taschenbuch Verlag Berlin.

Mit dem Roman "Sandalenträger" debütierte der vor kurzem aus dem Amt geschiedene ungarische Staatspräsident Árpád Göncz 1974 als Schriftsteller. Der Autor, der mit der ungarischen Armee im Zweiten Weltkrieg am Russlandfeldzug teilgenommen hatte, desertiert war, dann im Untergrund gegen die Nazis in Ungarn, später gegen die Kommunisten gekämpft und Zwangsarbeitslager sowie Gefängnisse von innen kennengelernt hatte, war 1956 auch Teilnehmer am Ungarischen Volksaufstand. Die danach vom Kádár-Regime gegen ihn verhängte Todesstrafe war in eine lebens-lange Strafe umgewandelt worden. Nach sechs Jahren ließ ihn Kádár aber im Zuge der politischen Lockerungen frei.

Göncz' literarische Laufbahn erschöpfte sich danach zunächst - wie bei den meisten Literaten und Journalisten, die regimekritisch aufgefallen waren - in Übersetzertätigkeiten. Er übersetzte aus dem Englischen, übersetzte amerikanische Autoren. Daher sein spätes Debüt als Schriftsteller - mit 52 Jahren. Inzwischen sind von ihm zahlreiche Romane veröffentlicht worden.

In dem Roman "Sandalenträger" geht es um einen Ketzerprozess in der westungarischen Stadt Sopron im Jahre 1401 gegen eine Gruppe von Waldensern, die wegen ihrer Anspruchslosigkeit auch Sandalenträger genannt werden. Göncz schildert die Geschichte des Prozesses, vor allem aber den verbalen Zweikampf zwischen dem Hauptangeklagten Miklós und dem Inquisitor. Obwohl es um ein Ereignis 555 Jahre vor dem Volksaufstand in Ungarn geht, hatte Göncz beim Schreiben genau diesen Aufstand im Auge.

Bei den Dialogen zwischen Miklós und dem Inquisitor geht es letztlich nicht um das Abschwören abtrünniger Ideen, nicht um Macht und Glauben, sondern um die Grundfrage der freien Entscheidung eines Menschen, um freie Meinungsäußerung und das Recht des Menschen auf Selbstbestimmung. Genau darum ging es auch beim Volksaufstand 1956.

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Bücher des DUG-Verlages:

Prof. János Gyula: Der deutsche Petöfi - 61 Gedichte. 19.80 DM. Stuttgart 1999. ISBN 3-9806483-1-1

Jürgen Rahmig: Ungarns Rückkehr nach Europa - Vom Gulaschkommunismus zu Marktwirtschaft und Demokratie. 25 DM. Stuttgart 1998. ISBN 3-9806483-0-3

Zu bestellen beim Verlag der DUG (DUG-Geschäftsstelle, Hauptstraße 42, 70839 Gerlingen, Telefax 07156/205 345, jeweils zuzüglich Versandkosten.


 
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Krönungsmesse im Fernsehen

Tatabánya/Aalen. Im wahrsten Sinne des Wortes die Krönung war für den Aalener Kirchenchor Sankt Maria die erste Konzertreise ins Ausland, die ihn in Aalens Partnerstadt Tatabánya führte. Dort führte der Kirchenchor die Ungarische Krönungsmesse von Franz Liszt auf. Das Konzert unter Leitung von Ralph Häcker, das damals zur ungarischen Königskrönung von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth ("Sissi") komponiert worden war, wurde vom ungarischen Fernsehen in der Michaelskirche in Tatabánya aufgenommen. Begleitet wurden die 55 Sängerinnen und Sänger aus Aalen von 45 Musikern des Philharmonischen Orchesters Györ mit seinem Konzertmeister Géza Németh. Dieses Ensemble hatte sich schon beim Millenniumsprojekt des Aalener Kammerchors unter Simone Häcker-Brune mit Beethovens 9. Symphonie bewährt.

Chorleiter Häcker sprach vom größten Ereignis in der Geschichte des Kirchenchores Sankt Maria und vom schönsten Konzerterlebnis seines Lebens. Namhafte Spenden der Kirchengemeinde und des Kirchenchores Sankt Maria deckten weitgehend die Kosten der ungarischen Kirchengemeinde. Außerdem überreichten die Aalener Kleider- und Medikamentenspenden.

Zwei Konzerte in Budapest, darunter in der Matthiaskirche und im mächtigen Dom von Esztergom rundeten diese denkwürdige Konzertreise ab. Umgekehrt war Aalen im Juli Gastgeber in der Stadthalle für das Sinfonieorchester Tatabánya mit seinen 100 Musikerinnen und Musikern.

Das Aalener Jugendsinfonieorchester, die Jazz-Combo und ein Saxophonquartett musizierten schon im Frühjahr bei der Feier zum 50-jährigen Bestehen der Musikschule Tatabánya.

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Skansen in Szentendre

Text: Jürgen Rahmig

Szentendre. Obwohl bei Szentendre gelegen, wo die Touristenströme das ganze Jahr über praktisch nicht aufhören, gilt der "Skansen" am Rande des Künstlerortes noch immer als eine Art Geheimtipp. Nur ein Bruchteil der Touristen findet den Weg dorthin, obwohl es sonst nirgends in Ungarn ein solche Sammlung von Häusern, Höfen, Wirtschaftsgebäuden, Kirchen oder sogar ganze Dorfstraßen gibt wie hier, etwa 25 Kilometer von Budapest entfernt und eingebettet in die reizvolle Landschaft zwischen den Visegrader Bergen und der Donau.

Vor den Toren der ungarischen Hauptstadt ist hier 1974 auf einem immerhin 46 Hektar großen Gelände das Ungarische Freilichtmuseum als Außenstelle des Ethnographischen Museums Budapest eröffnet worden. Es bietet auf kleinem Raum einen einzigartigen Einblick in die dörfliche Kultur und Lebensweise vergangener Jahrhunderte in den verschiedenen Regionen Ungarns. Inzwischen besteht das Freilichtmuseum aus rund 100 Häusern, mehreren Kirchen, acht Mühlen und 200 weiteren Objekten wie Wirtschaftsgebäuden. Noch ist das Museum lange nicht fertig. Irgendwann einmal sollen sich hier neun landschaftliche Einheiten präsentieren. Sie stehen für charakteristische Siedlungsformen der einzelnen Regionen Ungarns. Bisher sind die Regionen Oberes Theißgebiet und die Kleine Tiefebene, Westtransdanubien, die Region Große Tiefebene und das Balaton-Oberland fertig.

Der Besucher kann mitmachen

Jeden Mittwoch und Freitag hat der Besucher zudem die Möglichkeit, Handwerker im Umfeld von damals und mit den in den früheren Jahrhunderten zur Verfügung stehenden Werkzeugen bei der Herstellung traditioneller Produkte zuzusehen. Da gibt es den Schmied, den Wagner, den Fassbinder. Und der Besucher kann sogar selbst Hand anlegen und Handwerkliches herstellen. Daneben gibt es im Skansen auch Theater- und andere Veranstaltungen. Es ist also immer was geboten.
Das alles aber ist Staffage für die Gebäude, Inneneinrichtugen und das Umfeld, also die Einbettung der Gebäudeensembles und Höfe in einen Gesamtrahmen. Hier einige Beispiele, die Appetit auf mehr, die beim nächsten Ungarnbesuch zum Besuch des Museums als Anreiz dienen sollen.

Kispalád und Botpalád

Das Obere Theißgebiet, die Region, mit der das Freilichtmuseum vor fast 25 Jahren seine Pforte öffnete, befindet sich im nordöstlichen Eck Ungarns an der Grenze zur Slowakei, Ukraine und Rumänien. Diese Dörfer sind im 12. bis 14. Jahrhundert entstanden. Da es oft Überschwemmungen gab, waren die Wege in diesem Gebiet ziemlich häufig unbefahrbar. In den morastigen Niederungen standen Eichen und Auwälder. Erst im vergangenen Jahrhundert begann die Flussregulierung und die Trockenlegung der morastigen Gebiete. Erst dann kam verstärkt auch hier der Ackerbau auf. Die Arbeit der Bauern war hart. Heute ist man angesichts der schmucken, weißgetünchten kleiner Häuser - beispielsweise aus Kispalád oder Botpalád - in Versuchung, die Zeit damals als Idylle anzusehen. Doch die Zeiten waren damals ziemlich hart.

Das strohgedeckte Haus aus Kispalád, dessen Holzgerüst mit lehmverschmiertem Flechtwerk ausgefüllt ist, war das Wohnhaus armer Bauern. Hier hatten in zwei Stuben drei Generationen gelebt: der Altbauer mit seiner Frau und den un-verheirateten Kindern in der einen Stube, der verheiratete Sohn mit seinen Kindern in der anderen. In diesen Stuben wurde auch gekocht, die vorhandene Küche wurde vorwiegend als Vorratsraum genutzt. Dann gab es noch eine Anzahl von Nebengebäuden: das Heulager, Maisspeicher, Hühner- und Schweinestall, einen Backofen sowie einen Brunnen. Das alles ist mit viel Liebe zum Detail im Freilichtmuseum wieder aufgebaut und nachgebaut, die Inneneinrichtungen einiger Gebäude zusammen-getragen worden.

Typisch für das Kisalföld ist eine Dorfanlage aus der Kleinen Tiefebene. Hier reihten sich Höfe auf beiden Seiten der Dorfstraße aneinander. In der fruchtbaren Region wurden Ackerbau und Viehzucht, Obst- und Weinanbau betrieben. Hier ließen sich auch viele Einwanderer aus deutschen Gebieten nieder. Die Menschen waren hier wohlhabender, wovon diese Steinhäuser zeugen. Das Langhaus aus Harka, dem heutigen Magyarfalva bei Sopron, hatten einst evangelische Deutsche bewohnt.

Das Haus daneben stammt aus Jánossomorja. In ihm wohnten katholische Deutsche aus der Mosoner Ebene. Der Hofbesitzer konnte für damalige Zeiten als wohlhabend gelten, konnte er sich doch schon ein schindelgedecktes Dach leisten.

Herrlicher Holzglockenturm

Eines der meistfotografierten Objekte des Museums ist sicherlich der Holzglockenturm aus Nemesborzova, der zu den hervorragenden Schöpfungen der ungarischen Baukunst gehört. Mit seinem Bau muss 1667 begonnen worden sein. Er wurde bei Szentendre möglichst original wieder aufgebaut. Für die Zapfungen und Blattungen wurden deswegen auch keine Metall-, sondern Holznägel verwendet. Das gewährleistet andererseits größere Elastizität. Neben diesem herrlichen Glockenturm steht die Kirche aus Mánd, die 1787 bis 1790 von Calivinisten errichtet wurde. Die Inneneinrichtung ist mit bunten Malereien verziert. Weil der Turm neben der Kirche nicht mehr erhalten war, hatte man schließlich den ähnlichen Turm aus dem benachbarten Nemesborzova neben der Kirche aufgestellt. Diese beiden bilden ein besonders reizvolles Ensemble des Freilichtmuseums von Szentendre.

Mais und Weizen wurden in der Roßmühle von Vámosoroszi gemahlen. Das mit einem Drehzelt genannten, spitzen, kegelförmigen Dach abgedeckte, mächtige hölzerne Zahnrad ist von Pferden angetrieben worden.

Die Mühlsteine selbst sind in einem zweiten Gebäude untergebracht. Doch hier wurde vom Herbst bis ins Frühjahr nicht nur gemahlen, die Mühle war gleichzeitig auch Treffpunkt für die Männer, die hier Probleme des Dorfes besprachen, und Informationsbörse für die Frauen. Die Roßmühle war also auch eine wichtige Einrichtung mit gesellschaftlicher Funktion. Vom heute idyllisch anmutenden, in Wirklichkeit aber beschwerlichen Leben der Bauern im Oberen Theißgebiet zeugen die Häuser aus der Region Erdöhát im Oberen Theißgebiet.


Öffnungszeiten des Skansen:

Das Freilichtmuseum von Szentendre ist von Anfang April bis Ende Oktober von neun bis 17 Uhr geöffnet. Montags ist es wie die meisten anderen Museen in Ungarn geschlossen.

 
 



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